
Als Peter Weiermair, als Begründer des Innsbrucker „Forum aktuelle Kunst“ und als Direktor des Salzburger Rupertinums langjähriger Impulsgeber der österreichischen Kunstszene, 2021 starb, nannte ihn die Tiroler Tageszeitung einen „Überzeugungstäter“ – und meinte das durchaus positiv.
Dasselbe Medium rückte den Kunsthistoriker, Kurator und Verleger nun in ein anderes Licht: In seiner 12.000 Bildwerke und 40.000 Bücher umfassenden Sammlung sollen sich Missbrauchsdarstellungen von Buben befunden haben. Ein dem Medium zugespielter Datenträger mit laut TT „eindeutigen“ Darstellungen führte dazu, dass Land Tirol und das Tiroler Landesmuseum vom Plan zurücktraten, Weiermairs Sammlung anzukaufen. Ein Schätzgutachten bezifferte den Preis dafür mit 1,7 Millionen Euro.
Was die Fotos genau zeigen, bleibt vorerst unklar. Es soll um elf Bilder mit „mündigen Minderjährigen“ aus dem riesigen Konvolut gehen, das in drei Wohnungen in Innsbruck und Frankfurt gelagert war.
Der Innsbrucker Stadtarchivar Lukas Morscher, der die Sammlung zwischen 2017 und 2021 in Etappen inventarisierte, gibt auf KURIER-Nachfrage zu, dass bei der Durchsicht wohl Fehler passiert seien und er heute manches anders betrachten würde. Er schließt aber aus, dass Weiermair Gewaltdarstellungen sammelte: „Wenn ich Missbrauch als Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses definiere, sieht die Sache vielleicht anders aus.“
Weiermair startete seine Karriere u. a. in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais und hatte später am Rupertinum in Salzburg, dem Frankfurter Kunstverein und der Galleria dell‘ Arte Moderna in Bologna Leitungsfunktionen inne. Dass er eine Leidenschaft für homoerotisches Bildmaterial hegte, war kein Geheimnis und teils in seinen Ausstellungen und Buchveröffentlichungen (z. B. „Männer sehen Männer“, 1986) abzulesen.
Source:: Kurier.at – Kultur



