
Nach Schlaganfall, Erkrankung oder Unfall folgt auf den Aufenthalt im Krankenhaus oft eine Reha. Diese Therapien, die Patienten auf dem Weg zurück in den Alltag helfen, sind wegen der Überalterung und der Zunahme an chronischen Erkrankungen ein wachsender Markt. Europaweit haben der Weltgesundheitsorganisation zufolge 394 Millionen Menschen Bedarf an einer medizinischen Rehabilitation. Mehr als die Hälfte erhält nicht die Versorgung, die nötig wäre.
In Österreich leiden rund 3,8 Millionen Menschen an einer reha-bedürftigen Erkrankung. Die Situation ist hierzulande weniger angespannt als in anderen Ländern. „Wir sind im deutschsprachigen Raum recht gut aufgestellt“, berichtet Klaus Schuster, CEO der Vitrea-Gruppe, dem größten privaten Reha-Anbieter in Österreich. Vitrea ist aus den ehemaligen Vamed-Kliniken hervorgegangen, die 2024 an das französische Private-Equity-Unternehmen PAI verkauft wurden. PAI hält 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent gehören dem vorherigen deutschen Mehrheitseigentümer Fresenius.
Vitrea erwartet etwa in Zukunft jeweils vier bis sieben Prozent mehr Reha-Fälle pro Jahr. In Österreich schätzt Schuster, dass die Zahl der Patienten bis 2030 um 10 Prozent auf 55.000 steigt.
Vitrea investiert mehr als 100 Millionen Euro in Standorte und Digitalisierung
Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, investiert der Konzern, der auch in Deutschland und der Schweiz tätig ist, in seine Einrichtungen. Seit Herbst 2024 hat die Gruppe bereits mehr als 100 Millionen Euro in die Hand genommen. Der Großteil davon floss in die Modernisierung und die Erweiterung der Kapazitäten. Den Rest steckt das Unternehmen in die Digitalisierung und IT.
Auch Künstliche Intelligenz (KI) wird innerhalb der Branche immer wichtiger. Modelle zeichnen etwa Patientengespräche auf und können im Nachgang dem medizinischen Personal die Dokumentationsarbeit erleichtern. Das würde nicht nur die Effizienz steigern, sondern Vitrea auch als Arbeitgeber attraktiver machen, so Schuster. Auch für die kommenden zwei Jahre kündigt der CEO Investitionen von bis zu 100 Millionen jährlich an.
Finanziert werden die Reha-Behandlungen meist von Pensionsversicherungsanstalten oder Gesundheitskassen. Die Österreichische Pensionsversicherung (PV) etwa bewilligte 2025 laut Jahresbericht 658.435 medizinische Behandlungen und Hilfsmittel im Bereich der Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation. Die Kosten lagen zusammen mit beruflichen und sozialen Maßnahmen bei rund 1,5 Milliarden Euro, ein Plus zum Vorjahr von 4,8 Prozent. Trotzdem schieden im selben Jahr mit 10.538 um 428 mehr Personen durch Berufsunfähigkeit aus dem Erwerbsleben aus als noch 2024.
Öffentliche Gelder sind knapp, aber Reha könnte beim Sparen helfen
Dass die öffentliche Hand sparen muss, bekommt auch Vitrea zu spüren: „Die Herausforderungen wachsen. Die Kassen sind leer, das braucht man nicht schönreden“, sagt Schuster. Reha sei aber Teil einer umfassenden Gesundheitsversorgung und könne sinnvoll eingesetzt sogar Kosten vermeiden, betont der Vitrea-Chef.
„Wir sind ein wichtiger Baustein des Gesundheitssystems und der Versorgungskette“, sagt Schuster. Dabei gehe es etwa um die frühzeitige Entlastung der überlasteten Akutmedizin, die bereits jetzt in vielen Fällen stattfinde. So würden etwa Patienten, nach einer akutmedizinischen Behandlung teils noch unter Beatmung in Reha-Zentren gebracht werden und erst dort von der künstlichen Luftzufuhr entwöhnt werden.
Zudem habe Rehabilitation einen „enormen volkswirtschaftlichen Effekt“, sagt Schuster. Einer Studie der Deutschen Rentenversicherung aus 2025 zufolge kann sie Berufsunfähigkeit und Langzeitkrankenstände reduzieren. Demnach seien die Erwerbschancen nach einer medizinischen Rehabilitation um 15 bis 20 Prozent höher als ohne …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



