
Kein Ausblick auf das Finale ohne einen Rückblick auf das Halbfinale. Nach dem Spiel der Spanier gegen Frankreich war ich fest davon überzeugt, dass wir den kommenden Weltmeister gesehen haben. Und dann kam Argentinien …
Die erste Hälfte gegen England war mehr „Mixed Martial Arts“ als Fußball, aber nach dem 0:1 haben die Argentinier einmal mehr unter Beweis gestellt, welchen Willen, welche Leidenschaft, welche Kunst zu Leiden sie aufbringen können. Das haben wir ja nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren beobachten können. Diese Mannschaft verfügt über große Nehmerqualitäten, hat aber auch Geberqualitäten. Sie können einstecken und austeilen. Und sie leiden.
Das hört man bei jedem Interview nach dem Spiel, wenn man das Gefühl bekommt, dass zehn Groupies mit ihrem Idol Fußball spielen dürfen. Teamchef Scaloni heult gefühlt bei jedem Tor, weil ihm das alles dermaßen viel bedeutet. Wenn man die Bilder aus Argentinien sieht, merkt man, welch hohen Stellenwert nicht nur der Fußball, sondern auch dieses Team genießt.
Und jetzt bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob sich die spanische Qualität am Sonntag durchsetzen wird, oder doch diese unglaubliche Leidenschaft und Aggressivität der Argentinier, die die Grenzen der Legalität dabei immer wieder ausloten und oft damit durchkommen.
Argentinien liefert aber auch Unerwartetes. Denn wer hätte gedacht, dass man gegen Engländer vor allem mit hohen Bällen und vielen Flanken agiert – und damit Erfolg hat.
Ich gestehe, dass ich im Endspiel nun zu Argentinien halte, weil ich noch einmal diese Leidenschaft, das Weinen, das ausgelassene Jubeln erleben möchte. Lionel Messi hat in seinem Fußballerleben alles gewonnen, was an Titeln zur Verfügung steht und freute sich im Viertelfinale und im Halbfinale wie ein kleines Kind über die Siege.
Er gibt sich nicht zufrieden, er will mehr, auch daher ist er etwas ganz Besonderes. Das sieht man auch an den Trikotverkäufen.
Eines erhielt ich von Walter Samuel, mit dem ich in Basel zusammengespielt hatte. Er hat mir erzählt, dass Argentinien von Adidas pro Match 650 Messi-Trikots erhält. Außergewöhnliches rund um den Außergewöhnlichen.
Der 70-fache Teamspieler Marc Janko ist als Fußball-Experte für ServusTV bei der WM im Einsatz. Er kommentiert während der WM für den KURIER das Geschehen bei der Endrunde.
Source:: Kurier.at – Sport



