Stimmprobleme, Soundprobleme und sehr viel Spaß mit 80er-Hits

Kultur

Es war das Thema des Tages: Die Stimmprobleme von einigen der Stars, die Freitag vor 6.000 Zusehern auf der Wiener Donauinsel beim „Forever Young – Das 80er-Festival“ die bekanntesten Melodien dieses unbeschwerten Jahrzehnts zelebrierten.

Am deutlichsten gealtert war das Vokalorgan von Paul Young. Der 70-Jährige hatte in den 80ern eine gute Dosis Soul in den britischen Pop getragen. 40 Jahre später auf der Donauinsel klang er raspelig, war immer wieder für ein paar Töne nicht zu hören, hatte keine Band und wirkte in seinem Auftreten generell nicht fit für die Bühne – kein Elan, keine Freude. Young klang nicht nur angestrengt, er sah auch so aus. Am Ende war es gut, dass er seinen Auftritt auf „Everytime You Go Away“ und die vier weiteren Songs, die man von ihm kennt, beschränkte.

Weit besser war davor Midge Ure. Der Frontmann von Ultravox war der kompletteste Musiker des Tages, trat mit hervorragender Band auf, spielte Gitarre und Keyboards und hat im Gegensatz zum Großteil des restlichen Line-ups alle Songs selbst geschrieben. Mit 72 wirkte er ambitioniert und superfit, sah aus wie ein extrem schlanker Ben Kingsley. Stimmlich aber ist auch Ure gealtert. Auch bei ihm gab es Momente, in denen der Gesang nicht zu hören war. Immer wieder drehte er den Kopf vom Mikro weg. Das hatte früher wohl den Sinn, dass das Mikro nicht übersteuert, wenn die Stimme Power liefert. Wenn sie das aber nicht mehr kann, bleibt nichts über, was im Publikum ankommt. Schade. Ure hat tolle Melodien geschrieben: „Fade To Grey“ (für Visage), „Dancing With Tears In My Eyes“, „Hymn“ und natürlich „Vienna“. Zur Feier des Tages spielte er diesen Hit in der Extended-Version. Seinen Solo-Hit „Breathe“ musste er dafür aber aus Zeitgründen auslassen.

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Ausgelassen

Für Ure galt, was für alle an diesem Tag galt: Es waren die Melodien und nicht die perfekte Ausführung, die die Stimmung ausgelassen machten – in Tandem mit dem angenehmen Wetter und dem chilligen Festivalgelände mit ausreichend Sitzplätzen und viel Platz zum Entspannen.

Welchen Unterschied die Kraft von Hits macht, bewies Limahl: Der Kajagoogoo-Sänger fokussierte sich auf seine Chartsrenner „Too Shy“ und „Never Ending Story“ (Solo-Karriere) und interpretierte ansonsten 80er-Klassiker von Boney M. oder Depeche Mode. Carol Decker, Frontfrau von T´Pau, blieb bei ihrem eigenen Repertoire, hatte mit „China In Your Hand“ nur einen Hit und obendrein Soundprobleme. Fazit: Wenig Resonanz im Publikum.

Auch Kim Wilde hatte Pech mit dem Sound. Dafür eine gute Band, mehr Hits und weniger Stimmprobleme. Eine solide Band hatte auch Peter Schilling. Der „Major Tom“-Sänger war für Alphaville eingesprungen, deren Sänger Marian Gold sich eine Rippe gebrochen hatte. Sein Gesang klang gut. Aber: Der 70-Jährige hat halt nur den einen, zwingend Stimmung machenden Hit.

Spaß konnte man bei dem Festival trotzdem viel haben. Das Motto „Forever Young“ galt zwar nicht für die Performer, definitiv aber für all die Hits, die in unglaublicher Dichte zu hören waren und die Lebenslust des Zeitalters zurück auf die Donauinsel brachten.

KURIER-Wertung: ***1/2 von *****

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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