„Tootsie“: Ein echter Verwandlungskünstler in Baden

Kultur

Susanne Zobl

In einer Zeit, als von Diversity, Transgender und LGBT noch lange keine Rede war, schrieb Robert Horn eine Komödie über einen erfolglosen Schauspieler, der nur für die Bühne sein Geschlecht wechselt und als Frau am Broadway reüssiert. Sidney Pollack verfilmte „Tootsie“, so der Titel dieser Komödie, 1982 mit Dustin Hoffmann in der Titelrolle, Bill Murray und Jessica Lange. Von den zehn Oscar-Nominierungen erhielt jedoch nur die Letztgenannte die Auszeichnung. Wer diesen Film gesehen hat, wird nie vergessen, wie sich Dustin Hoffmann in diese schillernde Frauengestalt namens Dorothy Michaels verwandelt hat.

Im Stadttheater Baden unternimmt dies der gebürtige Linzer Simon Stockinger in der Musical-Fassung von David Yazbek. Die solide Inszenierung von Felix Seiler lässt dem Darsteller viel Raum zur Entfaltung. Darko Petrovic hat dafür ein sehr ansprechendes Ambiente geschaffen, das eine gewisse Broadway-Atmosphäre verbreitet und sich mit wenigen Änderungen in einen Probenraum, ein Wohnzimmer oder eine Disco umfunktionieren lässt.

Manche Szenen wirken wie von Richard Attenboroughs „Chorus Line“ inspiriert, wenn sich junge Darstellerinnen und Darsteller vergeblich bei einem Casting abmühen. Stockinger braucht zu Beginn einen gewissen Anlauf, um in Fahrt zu kommen. In den ersten Szenen überzeugt er als talentierter, besserwisserischer Schauspieler Michael Dorsey, der sich ständig mit seinen Regisseuren anlegt, nur bedingt. Das ändert sich, wenn er als Dorothy Michaels auftritt. Er zeigt keine Dragqueen, sondern tatsächlich einen virtuosen Verwandlungskünstler, der offensichtlich alles spielen kann, vor allem eine Frau. Er lässt die Spannung in seiner Gestalt spüren, die Verletzlichkeit seiner Figur, das Glück, das er selbst kaum fassen kann, es geschafft zu haben. Seltsamerweise fällt er in ein etwas hölzernes Spiel zurück, wenn er sich zwischendurch in Michael Dorsey zurückverwandelt.

  Stimmprobleme, Soundprobleme und sehr viel Spaß mit 80er-Hits

Aber das sind nur kurze Momente. Vokal bringt er für die Partie alles mit. Auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt. Sebastian Brummer überzeugt als sein Freund Jeff Slater. Auch er ist in seinem Beruf als Autor noch nicht weit gekommen, lässt sich davon aber nicht deprimieren. Sandy Lester ist eine überintensive Missy May. Clara Mills-Karzel betört als Julie Nichols, die erfolgreich den aufdringlichen Regisseur (Franz Frickel) abwehrt. Clemens Otto-Bauer agiert als Max von Horn wie ein Kraftwerk. Marika Lichter ergänzt als resolute Produzentin.

Danny Costellos Choreografien entsprechen der Inszenierung. Ein Atout dieser Produktion ist das Orchester, mit dessen Auflösung man sich nicht abfinden darf. Dirigent Viktor Petrov setzt auf Big-Band-Sound, schwelgerische Passagen und Drive und wird, wie alle, bejubelt.

  von *****

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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