
Für das Bild müsste man Lucian Freud in den Tower werfen, schrieb der britische Boulevard, als der Künstler sein Porträt von Königin Elizabeth II. 2001 fertig hatte. Freud war halt keiner, der gefällige PR-Bilder malte. Es gibt ein Foto von einer Sitzung von Freuds Freund David Dawson. Man sieht den Künstler von hinten, die Queen sitzend mit Krone und skeptischem Blick. Zwischen beiden das kleine Porträt. Dieses Foto hat Lea Singer zum Roman „Eine Frage des Formats“ inspiriert, der rechtzeitig zum 100. Geburtstag von Elizabeth II. erschienen ist. Singer hat bereits eine Begegnung von Goethe und Caspar David Friedrich imaginiert („Anatomie der Wolken“).
„Nacktes“ Gesicht
Freud (der Enkel von Sigmund) selbst hatte die Queen als Modell angefragt. In diesem Buch lässt er sie – die nur „die alte Dame“ genannt wird – ihre schwere Krone tragen, damit ihr Gesicht aus Erschöpfung etwas freigibt, „nackt“ wird. Sie wiederum fragt ihn zu seinen tatsächlich nackten Modellen und seinen Episoden in der Unterwelt aus. Sie sucht Ähnlichkeiten zwischen sich selbst und ihm, während ihre Mutter sie beim täglichen Mittagessen samt Gin vor dem Künstler warnt. Während Singer bei Freud jedoch eine psychologische Figurenzeichnung mt ansprechenden Widerhaken gelingt, bleibt sie bei der Königin bei platten Emanzipationsvorstellungen im Trenchcoat und gebraucht aussehenden Inkognito-Sneakern stehen.
„Eine Frage des Formats“ liest sich so, wie wenn jemand etwas erzählt, der lange Sprechpausen macht, um Tiefgang zu simulieren. Man erfährt mehr über Freud und sein Arbeiten, zumindest glaubt man das danach. Die Königin zu durchschauen, da beißen sich aber sowohl Maler als auch Autorin die Zähne aus.
Source:: Kurier.at – Kultur



