
von Susanne Zobl
Wenn das Geschehen auf der Bühne alles andere als sehenswert ist, kann man in der Oper immer noch die Aufmerksamkeit auf die Musik fokussieren.
Im Fall der Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis Dreiakter „Il Trittico“ stellte das nur bedingt zufrieden. Das liegt nicht am Dirigenten Lorenzo Viotti. Er holt das Musiktheater in den Graben, lässt Puccinis Emotionen aufwallen. Sanft bringt er dessen Klangfluten im ersten Teil, „Il Tabarro“, zum Wogen. Verstörend zieht er mit Sogwirkung in die Tragödie der „Suor Angelica“ und bildet feinst nuanciert die aufgebrachte Gesellschaft, die das Testament vom verstorbenen Onkel fälscht, im dritten Teil „Gianni Schicci“ ab.
Belanglos bis ärgerlich
Kammermusikalische Passagen, Pointen, Schmerz, da fehlt nichts. Tatjana Gürbacas Inszenierung aber steigert sich von belanglosem, halb-konzertantem Stehtheater bis zum Ärgernis. So kommt es, dass sich im ersten Teil kaum Spannung auf der Bühne entwickelt.
Ambrogio Maestri muss vokal erst in Fahrt kommen. Er verkörpert den eifersüchtigen Ehemann Michele, der um seinen Sohn und das Glück mit seiner Frau trauert, eher phlegmatisch. Diesem Mann würde man keinen Eifersuchtsmord am Liebhaber seiner Gattin zutrauen. Diesen Luigi zeigt Arturo Chacón-Cruz mit seiner wenig auffälligen Tenorstimme bescheiden. Nicole Car setzt sich als Giorgetta stimmlich mehr als achtbar in Szene, als Lauretta fällt sie mit ihrem „O mio babbino caro“ nicht besonders auf.
Überzeugend: Die Nonne
Als Schwester Angelica lässt sich diese Sängerin von ihren Emotionen mitreißen. Da nimmt sie das Publikum mit. Sie ist diese Adelige, die von ihrer Tante nach der Geburt ihres unehelichen Sohnes in ein Kloster verbannt wurde.
Mit Bravour stellt sich Nicole Car den Herausforderungen der Rolle, bringt ihren Sopran zum Erstrahlen. Aufwühlend ringt sie nach ihrem Selbstmord um Erlösung.
Violeta Urmana zieht als fürstliche Tante alle Register der Bösartigkeit. Ihr herber Mezzosopran überragt alle, auch Ambrogio Maestri in der Titelrolle.
Sinnfreies Gehopse
Und hier zum Regie-Ärgernis. Gürbaca steckt das Ensemble in Karnevalsmasken und lässt die Sänger ausgerechnet bei den schönsten Arien sinnfrei herumhopsen. Im Falle des Rinuccio von Kang Wang ist das kein Schaden. Blass intoniert er das „Avete torto …“. Das Publikum hatte keinen Einwand.
Weitere Vorstellungen: 25., 27. und 30. 6.
Source:: Kurier.at – Kultur



