„Der Tiger“ greift nach der Macht: Wer Kolumbien regieren will

Politik

Ein Kreuzerl beim Namen eines Kandidaten der politischen Mitte ist bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien morgen Sonntag nicht mehr möglich. Stattdessen müssen sich die Wählerinnen und Wähler des südamerikanischen Landes zwischen Politikern der Extreme entscheiden: zwischen dem weit rechts stehenden und von US-Präsident Trump unterstützten Anwalt Abelardo de la Espriella und seinem linken Kontrahenten Iván Cepeda.

Zur Wahl steht damit nicht nur eine neue Regierung, sondern auch die grundlegende Ausrichtung des Staates. Es ist ein Ringen zwischen zwei gegensätzlichen Konzepten – dem linken Reformprojekt Cepedas und dem populistischen Aufwallen des politischen Newcomers de la Espriella.

In den letzten Umfragen vor der Wahl lag de la Espriella, der von seinen Anhängern auch „der Tiger“ genannt wird, leicht vorne.

Mega-Gefängnisse

Ähnlich wie der von ihm bewunderte Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, fordert de la Espriella harte Strafen für Kriminelle, die Errichtung von Mega-Gefängnissen und die radikale Vernichtung von Koka-Plantagen.

Zehn Jahre nach dem Friedensabkommen mit der linken Guerilla der FARC war die prekäre Sicherheitslage das alles dominierende Thema des Wahlkampfs. Gewalt bleibt in Kolumbien allgegenwärtig: Bewaffnete Gruppen kontrollieren weiter Koka-Regionen, illegale Minen und Schmuggelrouten für Migranten. Anschläge, Vertreibungen und Zwangsrekrutierungen haben wieder deutlich zugenommen.

 In dieser Lage stößt die radikale Botschaft des 47-jährigen Anwalts, der noch nie ein politisches Amt ausgeübt hat, bei vielen Wählern auf offene Ohren. Sein Markenzeichen ist das militärische Salutieren, am ersten Wahlabend war er im Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft aufgetreten.

Reformpolitik

Auf der anderen Seite steht der linke Menschenrechtler Iván Cepeda, der die Reformpolitik von Präsident Gustavo Petro fortsetzen möchte. Cepeda gilt als seriöser, aber kühler Politiker, der die Menschen nicht mitzureißen vermag. Cepeda möchte dort anknüpfen, wo Präsident Petro aufgehört hat, etwa bei der Energiewende weg vom fossilen Wirtschaftsmodell.

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Er wendet sich gegen Öl- und Gasförderung durch Fracking und bildet damit unter den führenden Politikern Amerikas die große Ausnahme. Cepeda, dessen in der kommunistischen Partei aktiver Vater 1994 von rechten Paramilitärs ermordet wurde, hofft auf eine breite Mobilisierung auf dem Land und in den Armenvierteln der Städte.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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