
KURIER: Herr Zeiler, wie intensiv verfolgen Sie die aktuelle Affäre rund um den ORF?
Gerhard Zeiler: Man kommt ja gar nicht daran vorbei. Natürlich habe ich dazu auch meine Meinung. Das hätte sicher nicht so kommen dürfen und müssen.
Zuerst war es eine Affäre des Ex-Generaldirektors Roland Weißmann, dann eine Affäre rund um Intrigen- und Machtspiele, wo man am Ende des Tages sagt, das kann so nicht weitergehen.
Österreich braucht den ORF. Genauso, wie man eine Staatsoper, wie man das Burgtheater braucht. Aber was für mich unverständlich ist, dass nicht die selben Qualitätsprinzipien für die Führung des ORF gelten sollen, wie für die Führung der Staatsoper oder des Burgtheaters. Es muss wirklich der oder die Beste Generaldirektor werden. Das sollte nicht im Kammerl einer Partei oder zweier Parteien ausgeschnapst werden. Das Prinzip der Besten sollte auch für den Stiftungsrat gelten.
Hat aus Ihrer Sicht der Stiftungsrat richtig reagiert?
Es ist ein Problem, wie der Stiftungsrat das angegangen hat. Es gibt ein klares, rechtliches Drehbuch dafür. Das ist ja nicht etwas, was in keiner anderen Firma und nur beim ORF passiert. Wenn zum Beispiel in unserer Firma solche Vorwürfe kommen, dann dürfte ich gar nicht anders handeln, als diese Person freizustellen und eine außenstehende unabhängige Kanzlei auszuwählen, die die Vorwürfe untersucht. Und wenn das Untersuchungsergebnis vorliegt, ist die Entscheidung zu treffen,was die Konsequenzen sind – ob eine Verwarnung reicht oder ob eine Kündigung oder gar eine Entlassung gerechtfertigt ist. So geht man vor, weil man nur damit rechtlich nicht in Schwierigkeiten kommen kann und den Fristenlauf einer allfälligen Entlassung einhält.
Das wundert mich, weil die Hauptakteure waren der Vorsitzende des Stiftungsrates und sein Stellvertreter mit Anwälten. Da muss doch klar sein, wie agiert werden muss.
Ich bin nicht Mitglied des Stiftungsrates und kann daher die Beweggründe nicht beurteilen. Und ich bin mir auch sicher, dass es gut gemeint war. Aber von außen gesehen, von den international rechtlichen Praktiken her beurteilt, war das Vorgehen unverständlich.
Jetzt kennen Sie den ORF nicht nur von außen, sondern auch von innen. Sie waren vier Jahre lang Generalintendant des ORF. Wenn Sie jetzt hören, wie das alles abgelaufen ist, ist das so wie früher und damals halt nicht an die Öffentlichkeit gelangt?
Der ORF ist ein gutes Unternehmen. Da gibt es Tausende Mitarbeiter, die sehr gute Arbeit leisten. Das darf man nicht unter den Tisch fallen lassen. Und Intrigen und Fehlverhalten gibt es in jeder Firma. Jetzt gebe ich schon zu, dass tatsächlich Dinge vorgekommen sind, die nicht hätten vorkommen dürfen. Wenn zum Beispiel stimmt, dass der Generaldirektor einem leitenden Mitarbeiter bei seiner Einstellung ein Pensionsversprechen gegeben hat, dieses aber erst am letzten Tag seiner Amtszeit zu Buche bringt, dann ist das weder mit den Abgabe- und Steuerverpflichtungen noch mit den Bilanzverpflichtungen eines Unternehmens in Einklang zu bringen. Aber dass es Intrigen gibt, dass einer den anderen nicht mag, dass einer dem anderen einen Posten neidig ist, dass einer meint, er könnte es besser als jener, der im Amt ist, das kommt in jeder großen Firma vor. Da ist der ORF keine Ausnahme.
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Source:: Kurier.at – Politik



