Erst mieten, dann kaufen: Für wen sich dieses Wohnmodell lohnt

Wirtschaft

Ein Jahr ist es her, dass Familie Mack den entscheidenden Schritt gesetzt hat. Kaufvertrag unterschrieben, Eigentum übernommen. Der Weg dorthin war allerdings kein klassischer. Statt ihr Domizil sofort zu kaufen, lebten Marco und Sarah Mack zunächst als Mieter mehrere Jahre in genau jener Wohnung, die später ihr Eigentum wurde. Ein Rent-to-Buy-Modell (Mietkauf), das vielen Menschen erklärungsbedürftig erscheint, für die beiden Tiroler aus dem Bezirk Schwaz jedoch die perfekte Möglichkeit war , um Immobilienbesitzer zu werden. 

„Wir würden es genauso wieder machen“, sagen sie. „Der Mietkauf war für uns die ideale Lösung. Wir konnten die Immobilie über mehrere Jahre bewohnen und sicherstellen, dass sie wirklich zu uns passt, bevor wir die endgültige Kaufentscheidung getroffen haben.“

Tatsächlich ist der Weg zum Eigentum heute für viele ein steiniger. Hohe Eigenmittel, strenge Kreditvergaben auch nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung und eine Zinslage, die eine Herausforderung ist, verschieben große Entscheidungen oft in die Zukunft. Mietkauf rückt damit wieder stärker ins Blickfeld. „Zuletzt entfielen rund 28 Prozent der neu fertiggestellten Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) auf Modelle mit Kaufoption“, sagt Lorenz Sigl, Leiter Infina Immobilien. 

Nicht als schnelle Abkürzung, sondern als klug gesetzter Zwischenschritt. Erst mieten, dann entscheiden. „Die gemeinnützige Mietwohnung mit Kaufoption ist ein etablierter Bestandteil der Eigentumsbildung im österreichischen Wohnungsmarkt“, so Sigl. „Gerade im aktuellen Marktumfeld bleibt sie ein relevanter Weg ins Eigentum, weil sie den Einstieg schrittweise ermöglicht.“ Das heißt: kein sofortiger Kredit, kein finaler Entschluss unter Druck. Stattdessen eine Phase, in der man ankommt, prüft, rechnet – und im Idealfall parallel Eigenkapital aufbaut.

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Genau das macht den Reiz aus, sorgt aber gleichzeitig für Missverständnisse. Die verbreitete Vorstellung, man zahle über Jahre hinweg Miete und „tilge“ damit automatisch einen Teil des Kaufpreises, hält sich hartnäckig. In Wahrheit ist das Modell deutlich nüchterner. In Österreich handelt es sich meist nicht um einen klassischen Kauf auf Raten, sondern um eine Mietwohnung mit Kaufoption. 

Die laufende Miete bleibt ein Nutzungsentgelt und deckt nicht, wie etwa beim Leasing, bereits einen Teil des Kaufpreises ab. „Entscheidend ist, sich die konkrete Ausgestaltung genau anzusehen“, sagt Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen. „Kaufpreis, Anrechnung und Laufzeiten können stark variieren. Der Kaufpreis kann entweder bereits zu Beginn der Miete fix vereinbart oder erst später festgelegt werden.“ Wird er auf Basis des sogenannten Substanzwerts berechnet, liegt er nicht selten unter dem Marktpreis. „Diese unterschiedlichen Ausgestaltungen machen das Modell variabel, weshalb sich Interessenten über die einzelnen Varianten im Detail informieren sollten“, rät Schunker.

Manuel Tauber, 35, und seine Frau haben im Vorjahr ihre neue 100-m2-Wohnung in Kaltenleutgeben in Niederösterreich bezogen – und sind hier glücklich. In vier Jahren können sie die Immobilie käuflich erwerben. „Das haben wir auch vor“, sagt Tauber. „Wir wollten nach Eigentum schauen, hätten es uns aber noch nicht leisten können. Bis 2030 können wir ansparen.“ Der Kaufpreis wurde vertraglich bereits festgelegt, das Paar leistete zehn Prozent Anzahlung. „Sollten wir uns doch gegen die Eigentumsoption entscheiden oder wieder ausziehen, bekommen wir den Großteil der Anzahlung zurück.“

Vorteilhaft ist, dass die meisten Mietkaufobjekte aus dem geförderten Wohnbau stammen und daher zu günstigeren Konditionen übertragen werden als frei finanzierte Immobilien. …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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