Besorgt und überfordert – was mit der Jugend in Österreich passiert

Wirtschaft

Auf die Frage, wie es der Jugend geht, gibt es ernüchternde Antworten. Die Ergebnisse zweier aktueller Trendstudien aus Österreich und Deutschland zeigen: Die Jugend macht sich große Sorgen. Sorgen, mit ihrem Geld nicht auszukommen, keine Arbeit zu finden, Sorgen darüber, dass Künstliche Intelligenz unkontrolliert eingesetzt wird, und Sorgen um politische sowie gesellschaftliche Entwicklungen. „Sinn im Leben? Wie kann ich das Leben jetzt noch genießen?“ ist ein Zitat aus der heimischen Studie.

Dass mentale Gesundheit in den Vordergrund rückt, ist eine logische Konsequenz. In Deutschland erreicht der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu brauchen, mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. In Österreich wiederum sinkt die Lebenszufriedenheit mit zunehmendem Alter: Liegt sie bei den 13- bis 15-Jährigen noch bei 71 Prozent, sind es bei den 20- bis 29-Jährigen nur mehr 58 Prozent. Besonders betroffen sind junge Frauen und Studierende. „Es ist ein Weckruf“, sagte Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann vergangene Woche bei einer Pressekonferenz.

Eine leise Rebellion

Die junge Generation würde trotz allem das System nicht erschüttern wollen – obwohl es das womöglich bräuchte, wie Jugendforscher Simon Schnetzer anmerkt: „Sie gehen nicht auf die Barrikaden und sparen ihre Energie auf. Man erkennt den jugendtypischen Optimismus mit Blick auf Erfolg.“ Außerdem zeige die Jugend Leistungsbereitschaft und Motivation. 40 Prozent der Befragten in Österreich betonen den Anspruch, Leistung zu erbringen und Engagement zu zeigen. Laut Studienautor Heinz Herczeg geben 62 Prozent an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein, obwohl ihnen entscheidende Dinge fehlen: „Eins stabiles soziales Umfeld ist hierzulande sehr tragend.“

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Werden wir einen Job finden?

Die Jobsuche gestaltet sich schwieriger denn je – das spürt auch die Jugend, erklärt Heinz Herczeg: „Sie beobachtet die wirtschaftliche Situation, die Kündigungswellen und die Entwicklung der KI und ist verunsichert.“ 34 Prozent der Studierenden in Österreich hinterfragen, ob sie eine Stelle finden werden. Laut Studie sind die Selbstzweifel bei ihnen am größten – am sichersten fühlen sich die Lehrlinge. „Die Lehre gewinnt an Bedeutung. Aber nicht bei der eigentlichen Zielgruppe“, sagt Herczeg. Nur zwölf Prozent der 13- bis 15-Jährigen sehen die duale Ausbildung als den besten Weg. Gleichzeitig bewerten 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen die Lehre im Nachhinein deutlich positiver. Die klare Mehrheit sieht einen Vorteil darin, früher eigenes Geld zu verdienen und unabhängig zu sein und erkennen  bessere Chancen am Arbeitsmarkt.

Auch in Deutschland wächst die Nachfrage nach praxisnahen Qualifikationen. „Die Narrative, dass man mit einem Studium einen sicheren Job in einem Konzern bekommt, wird zunehmend infrage gestellt“, sagte Darius Göttert vom Young Founders Network  bei der Pressekonferenz. Stattdessen richtet sich der Blick stärker auf Berufe in der Pflege und im Handwerk. Dort ist die Nachfrage hoch. „Ich höre von Unternehmen im Pflegebereich, dass sie gar nicht mehr werben, weil die Ausbildungsplätze bereits vergeben sind“, sagt Simon Schnetzer. 

Was ihm noch auffällt: „Junge Menschen sind  kompromissbereiter, weil sie merken, wie schwierig die Situation am Arbeitsmarkt geworden ist.

Die Jugend fühlt sich nicht genug vorbereitet 

Eine spannende Erkenntnis aus Österreich: 13- bis 15-Jährige legen weniger Wert auf Geld. Wichtiger sind ihnen die Erfüllung ihrer Lebensträume (53 Prozent) und eine Tätigkeit, die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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