Berufsförderung: „Jeder Drop-out schmerzt uns sehr“

Politik

Gerald Strobel ist Geschäftsführer des Berufsförderungsinstituts (BFI) Österreich. Diese führten in ganz Österreich rund 17.700 Kurse mit mehr als 163.000 Teilnahmen und über zwei Millionen Unterrichtseinheiten durch. Das BFI ist in allen österreichischen Bundesländern flächendeckend mit Niederlassungen vertreten.

KURIER: Können Sie kurz erklären, was die Aufgaben des Berufsförderungsinstitutes sind?

Gerald Strobel: Das Berufsförderungsinstitut wurde von ÖGB und Arbeiterkammer mit dem Ziel gegründet, Jugendliche und Erwachsene mit bedarfsgerechten und hochwertigen Bildungsangeboten zu versorgen. Es geht sowohl um persönliche, aber vor allem um berufliche Entwicklung.

Was leistet das BFI konkret?

Die Unterstützung leisten wir auf vielfältige Art und Weise, Beratung, Berufsorientierung, Nachholen schulischer und beruflicher Abschlüsse, überbetriebliche Lehrausbildungen, Umschulungen, berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir helfen bei der Arbeitssuche und mit maßgeschneiderten Trainings. Ein wichtiger Schwerpunkt war seit der Gründung immer der Abbau sozialer Benachteiligung. Ein großer Player sind die BFIs im Bereich der ÜBA – der überbetrieblichen Lehrausbildung. Nur kurz zur Erklärung: Wenn junge Menschen trotz aller Bemühungen keine Lehrstelle in einem Unternehmen finden, dann ermöglicht das Arbeitsmarktservice, dass sie ihre Lehre in einer Bildungseinrichtung beginnen oder sogar ganz absolvieren. Im Ausbildungsjahr 2024/25 waren das rund 9.000 Personen österreichweit. Ungefähr 3.000 davon beim BFI.

Das heißt, den Jugendlichen in BFI-Betreuung hat der Arbeitsmarkt mitgeteilt, nicht benötigt zu werden?

Ja, sie bekommen oft die Rückmeldung, dass sie gar nicht gebraucht werden und das, obwohl der Fachkräftebedarf in aller Munde ist. Bei uns sind die jungen Menschen meist um die 17 Jahre alt, wenn sie mit der Ausbildung beginnen. Da merkt man, dass einige schon einen steinigen Weg hinter sich haben, bis sie überhaupt zu uns kommen. Wir treffen manchmal auf Jugendliche, die viele Enttäuschungen und Entfremdungen von unserer Gesellschaft erlebt haben: Migration, Ablehnung, negative Schulerfahrungen, keine Lehrstelle und stattdessen Erstkontakt mit dem Arbeitsmarktservice. Kurzum: Einige tragen schon ein ganz schönes Packerl mit sich, wenn sie dann in der überbetrieblichen Lehre bei uns aufschlagen.

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Was sind denn die Gründe, warum Jugendliche beim BFI landen? Beginnt es damit, dass sie nach der Schule keine Lehrstelle finden?

Es gibt nicht die eine Ursache, sondern es ist vielfältig. Beispielsweise Wien: Im Vorjahr kamen auf jede offene Lehrstelle ungefähr 4,4 Lehrstellensuchende. Das heißt, dass rund 70 % der Lehrstellensuchenden rein rechnerisch gar keine Möglichkeit haben, in einem Lehrbetrieb aufgenommen zu werden. Dazu kommt, es gibt immer weniger Betriebe, die überhaupt ausbilden. Wenn das Geschäftsmodell von Unternehmen für die nächsten 5 bis 10 Jahre krisenbedingt nicht klar ist, werden sie auch nicht in etwas Aufwendiges wie Ausbildung investieren. In Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit, geprägt von digitalen und sozialökologischen Transformationen, sind gerade die Jungen vulnerabel.

Was können Sie über die Gründe sagen, warum die Jugendlichen nicht genommen werden?

Es gibt viele Rückmeldungen von Unternehmensseite, dass die jungen Menschen – weniger wegen der demografischen Entwicklung – schwieriger und wählerischer geworden sind. Die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber sei schlechter als früher, weil Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen abgehen. Aber auch das Benehmen und die Deutschkenntnisse werden oft als ausbaufähig angesehen. 

Ich breche dennoch eine Lanze für den Nachwuchs. Wir machen in unseren Ausbildungsstätten die Erfahrung, dass man trotz aller …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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