So begründet der Uni-Senat das Nein zur Ehrung von Mathematiker Taschner

Politik

Die Entscheidung der Universität Wien, dem Mathematiker Rudolf Taschner die bereits vorgesehene Verleihung des Goldenen Doktordiploms kurzfristig zu verweigern, sorgt für politische Kritik. Dem KURIER liegt nun eine offizielle Begründung des Senatsvorsitzenden Stefan Krammer vor, die die Hintergründe der Entscheidung erläutert.

Grundsätzlich bietet die Universität Wien Absolventen die Möglichkeit, ihr Doktorat anlässlich des 50. Jahrestages der Verleihung im Rahmen einer akademischen Feier erneut vornehmen zu lassen – dabei geht es um das „Goldene Doktordiplom“. Da es sich hierbei um eine formelle akademische Ehrung handelt, ist laut Satzung die Zustimmung des Senats zwingend erforderlich.

Kritik an öffentlichen Äußerungen

In der Stellungnahme stellt der Vorsitzende Stefan Krammer klar, dass der Antrag im Fall von Rudolf Taschner keine Mehrheit fand. Als Grund werden inhaltliche Bedenken angeführt, die die Mitglieder des Senats gegen eine solche Ehrung vorbrachten. Diese beziehen sich demnach nicht auf Taschners fachliche Arbeit, sondern auf seine öffentlichen Positionen zu zentralen wissenschaftlichen Grundsätzen.

Konkret heiß es dazu seitens des Senatsvorsitzenden Stefan Krammer: 

„Die Universität Wien kann die bereits erfolgte Verleihung eines akademischen Grades anlässlich des 50. Jahrestages der Verleihung erneut vornehmen. Für eine derartige akademische Ehrung bedarf es der Zustimmung des Senats. Im Fall von Rudolf Taschner wurden Bedenken aufgrund seiner Äußerungen in Zusammenhang mit Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft (insbesondere zum Klimawandel, zu Vergaberichtlinien des FWF, zu Gender und Postcolonial Studies) vorgebracht und der Antrag auf Erneuerung des Doktorats wurde daher nicht befürwortet. Außer Frage stehen seine besonderen wissenschaftlichen Verdienste im Bereich der Mathematik und seine wichtige Rolle als Wissenschaftsvermittler für die Mathematik in Österreich.“

  Kontroverse um abgesagte Ehrung für Taschner an der Uni Wien

Wissenschaftliche Verdienste bleiben unbestritten

Trotz der Ablehnung des „Goldenen Doktordiploms“ für Taschner betont der Senatsvorsitzende in seiner Stellungnahme ausdrücklich, dass die fachliche Qualifikation Taschners nicht zur Debatte stand.

Kritik aus Taschners Parlamentsklub

Die Absage der Ehrung Taschners wollte man vor allem in der Wiener ÖVP-Landespartei nicht einfach hinnehmen: Die Kritiker – darunter Klubobmann Harald Zierfuß, Wissenschaftssprecher Michael Gorlitzer und ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti – sahen in Aussendungen eine „ideologisch motivierte“ Entscheidung. So wurde die Absage als Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft und der Lehre gewertet. 

Eine Universität müsse ein Ort des offenen Diskurses und nicht der „Gesinnungsprüfung“ sein, so Marchetti. Weiters wird betont, dass Taschner über Jahrzehnte hinweg große Verdienste in der Wissenschaft, der Lehre und der Vermittlung der Mathematik erworben habe. Eine Ausgrenzung aufgrund unbequemer Positionen setze ein falsches Zeichen. Marchetti warnt in diesem Zusammenhang vor einer „ideologisch getriebenen Wissenschaft“.

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.