
Es gibt schöne Stadien, es gibt außergewöhnliche Arenen – und dann gibt es das Estadio Municipal de Braga.
Das „Felsenstadion“ gehört definitiv zu den eindrucksvollsten Fußballschauplätzen weltweit. Heute ab 21 Uhr duellieren sich in Braga zwei künftige österreichische WM-Starter um die Teilnahme an einem europäischen Endspiel.
Braga fordert mit Florian Grillitsch als Metronom im Zentrum die gegen Celta de Vigo zwei Mal überragenden Freiburger mit Abwehr-Stabilisator Philipp Lienhart im Semifinal-Hinspiel der Europa League heraus.
Mit dem Lift durchs Felsmassiv in die Kabine
Die beiden Niederösterreicher profitieren im Norden Portugals von der speziellsten Anfahrt aus der Stadt, die auch mitreisenden Journalisten (so wie dem Autor dieser Zeilen 2024 mit Rapid gegen Braga) gewährt wird: Per Bus geht es in den örtlichen Steinbruch, auf eine Ebene mit dem imposanten Dach des Stadions, dann per Aufzug durch das Felsmassiv direkt in die eine der beiden großen, mit über 80 stabilisierenden Stahlseilen verbundenen Tribünen.
Nur zwei Tribünen
Ganz anders als im modernen Arena-Bau üblich, gibt es hinter den Toren keine Fans. Auf der einen Seite grüßt ein Felsmassiv, auf der anderen kann auf die 200.000-Einwohner-Stadt hinuntergeblickt werden, die in einem im ganzen Land gebräuchlichen Sprichwort kurz, aber bündig beschrieben wird: „Braga betet, Porto arbeitet, Coimbra studiert und Lissabon vergnügt sich.“
Außer der katholischen Kirche ist in Braga auch noch der 1921 gegründete Sporting Clube heilig.
Seit 23 Jahren geführt von einem lokalen Geschäftsmann sind die Rot-Weißen seit dem erstmaligen Aufstieg 1947 kontinuierlich stärker geworden. Mittlerweile ist der dreimalige Cupsieger (1966, 2016, 2021) ganz klar die konstante Nummer vier des Landes hinter den Großklubs Benfica, Porto und Sporting – so auch im aktuellen Saisonfinish.
Deswegen ist der Europa-League-Finalist von 2011 auch Dauergast in den europäischen Gruppen- und Ligaphasen. Geholfen hat natürlich das für die EM 2004 gebaute Stadion, das Groundhopper aus aller Welt anzieht.
Transfer-Meister
Regelmäßig werden Top-Beträge durch Transfers erlöst, jeweils über 30 Millionen brachte das Trio Vitinha, Trincao und zuletzt Roger Fernandes.
Bei den Zugängen ist der SC Braga sparsamer, erstmals wurde für diese Saison die 10-Millionen-Grenze übersprungen: Stürmer Pau Victor kam um zwölf Millionen von Barcelona. Mittelfeldspieler Mario Dorgeles, der von Rapid-Trainer Hoff Thorup bei Nordsjaelland mitentwickelt wurde, kostete elf Millionen.
Grillitsch kam gratis
Florian Grillitsch war hingegen ablösefrei. Hoffenheim ließ den 30-Jährigen ziehen.
Der Sechser passt aber auch wesentlich besser zum iberischen Stil in Braga als zum Powerfußball von Trainer Christian Ilzer in Hoffenheim.
Das wird der Hausherr mit dem Felsen im Rücken heute auch gegen Philipp Lienhart beweisen wollen.
Source:: Kurier.at – Sport



