Letzte Föttinger-Premiere an der Josefstadt: „Ich war ein Gott in Wien!“

Kultur

Der Schlusssatz war für Marianne Nentwich reserviert: „Was für eine schönes Ende“. Die Doyenne der Josefstadt hatte am Mittwoch in Peter Turrinis gleichnamigem Stück ihren letzten Premieren-Auftritt. Sie wird nicht mehr Teil des Ensembles sein, wenn in der kommenden Saison Marie Rötzer übernimmt.

„Was für ein schönes Ende“, Turrinis Neu-Überarbeitung seiner Da-Ponte-Auseinandersetzung, das klingt auch wie ein maßgeschneiderter Titel für Noch-Direktor Herbert Föttinger, der hier seine letzte Regie an der Josefstadt führt und auch die Hauptrolle übernahm. Jubel, Bravorufe und  Standing-Ovations ernteten die Abschiednehmenden.

Könnte gut sein, dass sich das mancher bereits vor dem Stück vorgenommen hatte. Es war vorauszusehen, dass dieser Abschied einigen schwer fallen würde. Auf die Möglichkeit, dass dies nicht für alle gelten könnte, wies Föttinger erst kürzlich selbst hin, in dem er Turrinis „Endlich Schluss“, eine Überarbeitung seines 1997 uraufgeführten Monologs, zeigte. Das zeugt von Selbstironie.

Die bewies Föttinger auch mit dieser seiner letzten Inszenierung. In „Was für ein schönes Ende“ beschäftigt sich Peter Turrini nach einer Novelle im Jahr 2000 und einem ersten Theaterstück 2002 nun erneut mit Lorenzo Da Ponte, Hofdichter in Wien bei Kaiser Joseph II. und Mozart-Librettist, später unter anderem als Schnapshändler in den USA tätig.

Bei der  Uraufführung von Turrinis Stück „Da Ponte in Santa Fe“ 2002 in Salzburg unter Claus Peymanns Regie war der Jubel über das Stück damals enden wollend. Der Stoff beschäftigte Turrini weiterhin.

Unter Föttingers Regie und in Turrinis Neufassung seines eigenes Stoffes scheint die Devise zunächst: Wenn schon draufhauen, dann ordentlich. Föttinger gibt den Autor Da Ponte, der hinter der Bühne steht und lauscht, während draußen „sein Kind“, sein Stück gespielt wird. Erwähnt wird er nicht, nur der Produzent, der Sänger und der Komponist, ein gewisser Mozart kommen namentlich auf dem Plakat vor. Letzterem wird Da Ponte eifersüchtig attestieren, ein „Versager, ein Perverser“ gewesen zu sein, ausgestattet mit „Mundgeruch, wie alle Salzburger.“ Aber das ist auch schon egal, denn hier, in Amerika, zählt ohnehin nur der Name des Geldgebers.

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Wir lernen Da Ponte, einst ein vielbejubelter Hofdichter, nun als mittlerweile schäbige Erscheinung kennen, die als Brandyverkäufer in den USA herumtingelt, vor einer Opernproduktion „seines“ Don Giovanni Halt macht und dem armen Garderobier Willkinson (Félix Kama) unbedingt erzählen will, wer er einmal war. „Ich war ein Gott in Wien!“ Der Garderobier nimmt davon den Wunsch mit, selbst Kaiser von Österreich werden zu wollen, ein schöner Running Gag. Weiters tauchen auf: ein unflätiger Operndirektor (Raphael von Bargen), sowie dessen Leibwächter, einer davon gespielt von Publikumsliebling Marcello De Nardo, der hier als weiterer Running Gag selbst zum ambitionierten Möchtegern-Opernstar wird. Der echte Opernstar ist der Tenor Manuel Rodriguez García, herrlich überzogen gespielt von Alexander Strömer.

Überhaupt ist hier vieles wohl absichtlich überkandidelt. Bis es dann, gewissermaßen beim Stück im Stück, nämlich bei Da Pontes/Föttingers Selbstbefragung, ans Eingemachte geht. „Ich war ein Gott in Wien!“, sagt der nun Abgehalfterte immer wieder. Und dann ist da ein ambitioniertes Mädchen, das gerne Künstlerin werden möchte. Aus ihrem Namen Dorka Dušková macht Ratgeber Da Ponte „Dolly Delors“, gespielt von Juliette Larat. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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