Krieg im Libanon eskaliert: Netanjahu lässt Beirut angreifen

Politik

Mit dem Vormarsch israelischer Bodentruppen im Libanon und möglichen neuen Angriffen im Raum von Beirut eskaliert der Krieg in dem kleinen Mittelmeerland weiter. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah in Beiruts Vororten an, woraufhin viele Bewohner die Flucht ergriffen. Im Norden Israels ertönten unter neuem Beschuss der Miliz immer wieder Warnsirenen.

Netanyahu und sein Verteidigungsminister Israel Katz wiesen die Armee an, „terroristische Ziele der Hisbollah“ in Beiruts Vororten anzugreifen, wie es in einer Mitteilung von Netanyahus Büro hieß. Die als Dahiyeh bekannten Vororte gelten als Hochburg der Hisbollah, sind aber auch dicht bewohnt. Seit Mitte April eine Waffenruhe verkündet wurde, griff Israels Armee dort seltener an – laut Medienberichten auf Wunsch der US-Regierung. Israelische Medien berichteten nun unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Washington habe grünes Licht gegeben für neue Angriffe im Raum der Hauptstadt.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bezeichnete die Ausweitung der Offensive als „besorgniserregend“. „Die Ankündigung von Angriffen auf Beirut verurteilen wir scharf. Das ist ein massiver Bruch des Waffenstillstands und eine weitere Eskalation“, teilte sie in einer Aussendung mit. Zugleich bekräftigte sie die Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah und pochte auf die Sicherheit der UNO-Soldaten im Libanon, die „höchste Priorität“ für Österreich habe.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun warf Israel wegen der ausgeweiteten Offensive gegen die Hisbollah-Miliz eine „bösartige und verwerfliche Aggression“ gegen sein Land vor. Er werde daran arbeiten, „das Leiden der Libanesen im Allgemeinen und der Bevölkerung des Südens im Besonderen“ zu beenden, erklärte er am Montag auf X.

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„Wir halten das nicht mehr aus“

Die libanesische Armee versuchte an den Grenzen zu Beiruts Vororten, angesichts der vielen fliehenden Menschen den Verkehr zu leiten. Einer von ihnen sagte, Eltern würden so schnell wie möglich ihre Kinder aus Schulen in dem Gebiet abholen, um die Gegend umgehend zu verlassen. Ein Bewohner namens Imad machte – wie viele Libanesen – die Hisbollah und ihren Anführer Naim Kassim verantwortlich. „Genug Schweigen. Wir halten das nicht mehr aus“, sagte er der dpa.

Der UNO-Sicherheitsrat sollte am Montag auf Antrag Frankreichs zu einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Libanon zusammenkommen. Netanyahu hatte die Einnahme der mittelalterlichen Burg Beaufort im Süden des Libanon am Sonntag als „entscheidenden Wendepunkt“ bezeichnet. Seine Anweisung laute nun, die Kontrolle über Gebiete, „die unter der Kontrolle der Hisbollah standen“, zu vertiefen und auszuweiten.

Weitere Tote im Südlibanon

Bei einem israelischen Angriff in der Nacht wurden laut der libanesischen Staatsagentur NNA im Südlibanon acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt. In Nordisrael gibt es derzeit wegen des Beschusses mit Raketen und Drohnen aus dem Nachbarland immer wieder Luftalarm. Israels Armee meldete auch einen weiteren getöteten Soldaten im Südlibanon. Israelischen Medien zufolge kam der Soldat bei einem Drohnenangriff der Hisbollah in der Nacht ums Leben.

Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der pro-iranischen Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird. Die Miliz, die im Libanon auch ein maßgeblicher politischer Faktor ist, setzt ihre Angriffe auf Israel fort, Israels Armee rückte in den vergangenen Tagen immer weiter in den Süden des Libanon vor.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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