
Ob zur Simulation von chemischen Prozessen in der Pharmaindustrie, der Errechnung von Routen in der Logistik, bei der Entwicklung neuer Materialien oder bei Bilderkennungsproblemen in der Raumfahrt. Quantencomputer kommen bereits bei zahlreichen Unternehmen und Organisationen zum Einsatz. Die Technologie, heißt es in einer vor Kurzem veröffentlichten Studie der Berater von McKinsey, etabliere sich zunehmend als Wirtschaftsfaktor und entwickle sich von einem Zukunftsthema zu einem „echten Markt“.
„Noch liefern Quantencomputer keinen praktischen Vorteil für industrierelevante Anwendungen“, sagt der Tiroler Physiker Alexander Glätzle, der in München den Quantencomputerhersteller Planqc mitgegründet hat. „Wir sehen aber, dass immer mehr Branchen Interesse haben, sich auf den Einsatz der Technologie vorzubereiten.“
Budgets steigen
Laut McKinsey steigen die Budgets, die Firmen in die Technologie investieren. Ein erheblicher Teil fließt in die Entwicklung von Anwendungsfällen, heißt es in dem Quantum Technology Monitor der Unternehmensberater. Sie sehen darin auch ein wachsendes Vertrauen, dass Quantenrechner schon bald reale Probleme lösen können.
Im vergangenen Jahr wurde mit Quantencomputern laut der Studie erstmals mehr als eine Mrd. Dollar umgesetzt. Laut den Prognosen soll der Markt bis 2030 auf 25 bis 34 Mrd. Dollar wachsen.
„Exponentielle Vorteile“
Es sei theoretisch gut belegt, dass Quantencomputer bei bestimmten Problemklassen exponentielle Vorteile gegenüber klassischen Verfahren erzielen können, sagt Glätzle. Sein Unternehmen arbeitet mit Firmen wie Airbus oder der BMW Group an konkreten Anwendungen.
Quantenrechner von Planqc sollen schon bald an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und an das Leibniz Rechenzentrum in München geliefert werden. Dort werden sie im Verbund mit Supercomputern zur Lösung spezifischer Probleme zum Einsatz kommen. Auch ein Cloud-Dienst, über den Kunden Rechenzeit für spezielle Operationen zur Verfügung gestellt werden soll, ist in Arbeit.
Quantencomputer stellt auch das Innsbrucker Unternehmen AQT (Alpine Quantum Technologies) her. Systeme des Unternehmens sind an der Universität Innsbruck sowie in Hochleistungsrecheninfrastrukturen in München und im Poznan Supercomputing and Networking Center im polnischen Posen integriert. Die Kosten
Neben dem Verkauf von Geräten und Komponenten, etwa Lasergeräte oder Quantenprozessoren, verdient AQT auch mit dem Bereitstellen von Rechenleistungen, auch über Cloudpartner wie Amazon Web Services (aws), Horizon Quantum und Scaleway Geld. Zu den Kunden zählt etwa der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim.
Mit Bauplänen und einem Betriebssystem für Quantenrechner ist auch das Innsbrucker Unternehmen ParityQC gut im Geschäft. Zuletzt gelang es dem vom Physiker Wolfgang Lechner und der Wirtschaftswissenschafterin Magadalena Hausner gegründeten Unternehmen mit seiner Architektur die Kapazität eines IBM-Quantenprozessors zu verdoppeln. Die Lösungen des Scale-ups kommen u. a. bei einem Quantenrechner des japanischen Computerkonzerns NEC zum Einsatz. Auch in zahlreichen Forschungs- und Industriekonsortien ist man vertreten.
Welche Branchen haben bereits einen strategischen Nutzen?
Die Pharma- und die Finanzindustrie, sagt Glätzle. Bei der Medikamentenentwicklung seien viele Probleme von Natur aus quantenmechanisch. In der Finanzindustrie könnten viele Bereiche – vom Risikomanagement bis zur Portfoliooptimierung – auf Quantenrechnern abgebildet werden. „Selbst wenn der Effekt nur ein Prozent betragen würde, könnten bei großen Portfolios Wertsteigerungen im Milliardenwert erzielt werden“, rechnet er vor.
Noch dominieren bei den meisten Firmen staatliche Aufträge. Mit öffentlichen Auftraggebern langfristige Projekte umzusetzen, sei zentral, sagt Glätzle. „So können wir Systeme weiterentwickeln, bis ein breiter Markt in der Industrie entsteht.“
Großes Interesse Quantenverschlüsselung
In einem anderen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



