„Dark Noon“ bei den Festwochen: Vereinigte Staaten der Migranten

Kultur

Der geniale Filmemacher Quentin Tarantino machte vor zehn Jahren den Western mit seinem cineastischen Kunstwerk „The Hateful Eight“, eine Anspielung auf den Klassiker „Die glorreichen Sieben“, wieder saloonfähig. 2019 griff der dänische Theatermacher True Biering mit dem „fix & foxy“-Theater in „Dark Noon“ das Genre für die Bühne auf und tourt seither damit um die Welt – heuer bei den Wiener Festwochen. Mit südafrikanischen Darstellern ergründet er die US-Geschichte.

In South Carolina habe ein Anwalt Donald Trumps die Vorstellung „wutschnaubend“ verlassen, ist Biering im Programmheft zitiert. Der Titel mutet wie eine Anspielung auf den Klassiker „High Noon“ an. Klar, dass da die Erwartungen steigen. Zur Eröffnung gibt es in Western-Manier ein Duell. Zwei Männer knallen einander nieder. Schnitt.

Überillustrierte Geschichtsstunde

Eine Darstellerin kommentiert das Geschehen, das wie eine überillustrierte Geschichtsstunde in acht Kapiteln vorführt, wie die USA zu dem geworden sind, was sie heute sind. Dazu wird viel weißes Puder verbraucht, denn die Darsteller betreiben „White Facing“ und setzen sich blonde Perücken auf. Sie repräsentieren die weißen Europäer, die vor dem Hunger nach Amerika geflohen sind. Viele sind auf der Überfahrt im Meer ertrunken.

Maschendrahtzaun

Die Parallele zur gegenwärtigen Fluchtbewegung nach Europa ist klar. In Echtzeit werden Eisenbahnschienen gelegt und eine Stadt errichtet, ein mit Maschendrahtzaun abgeschlossener Bereich inklusive. Dort werden Migranten eingesperrt. In der Zeit vom Goldrausch heißt es, „when white lives did not matter“. Die Ausbeutung der chinesischen Arbeiter wird hervorgehoben. Kommentare aus dem Publikum werden eingeholt, gegen Ende werden einige Besucher wie Migranten wie man es von den USA heute berichtet, hinter Gitter gesperrt.

  Standing Ovations bei der Eröffnung des Rudolf-Buchbinder-Saales

Der Umgang mit den wirklichen Einwohnern Amerikas und der Sklaverei gehen wie das meiste an diesem Abend im Gedröhn, das permanent die Erträglichkeitsgrenze übersteigt, unter. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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