
Seit zwei Wochen ist Unternehmerin Manuela Lindlbauer von ihrer Jakobsweg-Pilgerreise zurück. Die 320 km von Porto (Portugal) nach Santiago (Spanien) ging sie allein, täglich, ohne Pause. Seither bekommt sie laufend dieselben Fragen gestellt: Warum? Wie war’s? Wie geht’s? HR-Expertin Lindlbauer: „Es gibt eine große Sehnsucht nach Auszeit und Reduktion. Das Interesse erstaunt mich selbst.“
KURIER: Warum sind Sie losgegangen?
Manuela Lindlbauer: Es war Zeit, sich nach 30 Jahren richtig rauszunehmen. Ich habe eine Stopptafel gebraucht. Wenn man in der Selbstständigkeit ständig arbeitet, gehen einem irgendwann die Batterien aus. Wahrscheinlich bin ich mit Mitte 50 auch in einem Alter, in dem man reflektiert. Wo stehe ich? Was möchte ich? Wie sollen meine nächsten 15 beruflichen Jahre ausschauen?
Sie nahmen sich zwei Wochen Zeit – ganz allein.
Ja, das war leichter als gedacht. Zwischendurch fragt man sich zwar schon, warum man das tut. Man muss sich mit sich selbst beschäftigen, das ist man nicht mehr gewohnt. Ich habe das Handy mitgehabt, aber es kaum verwendet. Zum ersten Mal nach 25 Jahren hatte ich eine Abwesenheitsnotiz eingerichtet.
Man geht. Und sonst?
Man denkt viel. Ich habe Musik und Podcasts gehört, aber nicht exzessiv. Ich wollte frei sein im Kopf. Man steht in der Früh auf und hat nichts anderes zu tun, außer zu gehen. Das ist eine Freiheit und bekommt eine Leichtigkeit. Wenn man nicht mehr kann, setzt man sich auf einen Stein. Das Monotone macht etwas. Man ist nicht mehr nach außen orientiert, kehrt nach innen und kommt in einen sehr entspannten Zustand.
Sie gingen ohne Ruhetag.
Ich habe eine sportliche Tendenz und bin ehrgeizig. Man sagt: Der Jakobsweg zeigt dir, wer du bist. Man lernt auch viel Toleranz. Jeder geht seinen eigenen Weg. Für mich war klar, ich muss zügig ans Ziel.
Was hat Sie überrascht?
Ein Learning war, wie wenig man braucht. Sieben Kilo Gepäck, Wanderkleidung, Waschzeug, Schuhe, Socken. Nach dem fünften Tag kommt man in den Fluss. Gedanken kommen von allein, ohne Ablenkungen. Es sind Themen, die einen beschäftigen. Aber alles kommt angenehm und unaufgeregt. Plötzlich ist Raum da und Dinge können sich sortieren. Ich bin mit mehr Klarheit und Ruhe zurückgekehrt.
Wie ging es Ihrem Körper?
Ich hatte keine Probleme, nur die Schultern haben mir wehgetan. Ich habe das als Last gesehen, die ich zu tragen habe. Ich wollte aber auch nichts loslassen und habe alles weiter getragen. Im Schnitt bin ich 32 km pro Tag gegangen, einmal 40 km bzw. 67.000 Schritte. Das waren fast zwölf Stunden gehen mit zwei kleinen Pausen.
Ist das nicht auch ein Massenpilgerweg?
Ja. Definitiv. Je näher man nach Santiago kommt, desto mehr wird das alles vermarktet. Manche werden mit dem Bus zum Finish gebracht, quasi zum Einlaufen. Aber alle sind trotzdem wahnsinnig freundlich und unterstützend. Natürlich machen viele auf dem Weg ein Geschäft daraus.
Was nehmen Sie als Erfahrung mit?
Ich bin toleranter geworden, ich habe gelernt, jeder hat seinen Weg und es gibt nicht den einen, richtigen. Ich spüre, dass ich auch gelassener bin und weniger nach außen orientiert. Ich kann mit meiner Energie und meinen Ressourcen besser umgehen. Und ich gehe jetzt auch sehr gerne, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



