Nicht Alles Walzer in der Oper!

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Die Meldung ist ja in dieser Woche fast untergegangen, aber die Grazer Oper bekommt ab 2028 eine neue Intendantin. Mich hat jedoch, noch mehr als das Faktum, die Begründung interessiert, die der Chef der Grazer Bühnen für die Bestellung genannt hat: Marlene Hahn bringe als künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs Erfahrungen mit, die in Graz nützlich sein könnten, Stichwort Opernredoute. Das gefällt mir. Daher beantrage ich, auch die Auswahl von Intendanten anderer Opernhäuser nach diesem Kriterium zu treffen. Die Geschicke der Wiener Staatsoper muss ab 2030 jemand leiten, der sich primär um den Opernball kümmert (ist ja immerhin die meistgesehene Opernsendung des Jahres im TV). Bei den Salzburger Festspielen sollte eine Person inthronisiert werden, die fortan einen Ball der Festspiele ausrichtet, am besten in Mozartkostümen. Und auch das Burgtheater veranstaltet ja einen Ball, den zwar niemand kennt, der aber im Zentrum künftiger Direktionen stehen muss.

Liebe Grüße & Alles Walzer, D. T.

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Sehr geehrte D. T.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 23/2026). Wir respektieren Ihr Plädoyer für das österreichische Ballwesen, bleiben aber dabei, dass in Opernhäusern primär gesungen werden müsse (und das nicht in beschwipstem Zustand bei einem Ball, sondern auf der Bühne) und die Tanzkunst (mit Ausnahme eines Abends) den Ballettprofis vorbehalten sein sollte. Daher sehen wir uns zur Ablehnung Ihres Begehrs gezwungen.

Wenn Sie uns diese Offenheit erlauben, waren wir angesichts der Begründung sogar überrascht und lasen mehrfach nach, ob der zuständige Herr das tatsächlich so gesagt hat. Wir finden nämlich, dass er damit die künftige Intendantin, die immerhin Chefdramaturgin der Oper in Leipzig ist, künstlerisch diminuiert. Bestimmt kann sie viel mehr als Bälle auszurichten.

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Interessiert hat uns neben der Begründung auch die Zusammensetzung der Jury. Da fiel uns der Name einer Dame auf, die Opernchefin in Berlin ist (früher auch in Graz tätig war) und unseres Wissens schon zuvor bei solchen Entscheidungen in entsprechenden Gremien vertreten war.

Wir halten es grundsätzlich für fragwürdig, immer wieder dieselben Personen dafür auszuwählen – wie soll so die Differenzierung der Bühnen gelingen? Und sind die Entscheidungen dann nicht allzu vorhersehbar? Wahrscheinlich sollen sie das ja auch sein.

In der Jury für die Salzburger Festspiele ist sie immerhin nicht – vielleicht aus Eigeninteresse am Job.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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