„Der fliegende Holländer“ in Erl: Expressive, aufgepeitschte Emotionen

Kultur

von Helmut Christian Mayer

Im weißen Nachthemd erscheint Senta noch vor dem ersten Ton in der Bühnenmitte, schaltet einen alten Filmprojektor ein und hebt das kleine Schiff mit den roten Segeln auf. Erst jetzt bricht mit aller Vehemenz der Sturm und das aufgepeitschte Meer im Orchester, aber auch mit Projektionen an den Wänden der Bühne und an den Seitenwänden bis in den Publikumsbereich los. Seeleute schwanken und versuchen mit Seilen verzweifelt das Schiff zu stabilisieren. Dieses wird von einem riesigen Mast, der aus dem Orchester ragt, das mangels Grabens mitten auf der Bühne sitzt, symbolisiert. 

Schon so packend lässt der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters Josef E. Köpplinger Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ bei den Tiroler Festspielen Erl im Passionsspielhaus beginnen. Was Senta anfänglich imaginiert, auch wenn sie im 2. Akt das riesige, etwas verschwommene Bild des Holländers anstarrt, wird von der Realität eingeholt, wenn dieser mit seinem Schiff mit roten Segeln als Projektion (Bühne: Rainer Sinell) erscheint.

Die Maxime des österreichischen Regisseurs ist es, Stücke nicht neu zu erfinden, sondern intelligent und opulent zu unterhalten. Er schafft dies recht konventionell mit ständigen Aktionen und inszeniert neben dem glaubhaften Spiel der Protagonisten auch viele Nebenhandlungen beim Chor und den Statisten in historischen Kostümen (Birte Wallbaum) auf der Riesenbühne mit dem Bretterboden, wo rund um das Orchester gespielt wird. Spektakulär ist auch das Finale, wenn sich Senta von der Schiffbrücke nach hinten in den Opfertod ins Meer stürzt.

Packend ist auch die musikalische Umsetzung: Christopher Maltman als Titelheld ist eine Besetzung der Extraklasse. Er verströmt enorme Bühnenpräsenz, ist textverständlich und imposant in allen Lagen. Nina Bezu ist eine spielfreudige Senta und singt mit klarem, höhensicherem Sopran. Mit facettenreichen, weichen Tönen erlebt man Gabor Bretz als Daland. Der Erik des Jamez McCorkle verfügt über alle Spitzentöne, hat aber ein etwas gewöhnungsbedürftiges Timbre und singt ziemlich unverständlich. Phänomenal gut hört man auch Matthew Newlin als Steuermann. Shannon Keegan ist eine solide Mary. Stimmgewaltig und homogen singt der Chor.

  Hinterhäusers erster Auftritt seit dem Abgang aus Salzburg

Asher Fisch weiß im Orchester der Tiroler Festspiele, Lyrismen und expressive Spannungen auszukosten. Da werden auch die aufpeitschenden Wellen und der Sturm wirkungsvoll imaginiert, wobei man sich so Manches noch mehr ausgereizt gewünscht hätte.

Stehende Ovationen!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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