So war Helene Fischer in Wien: Was für ein riesengroßer Wir-Sinn!

Kultur

Helene Fischer brauchte in Wien nur ein paar Sekunden, um das ganze Helene-Fischer-Universum aufzufächern.

Im knallroten Kostüm schwebte sie am Drahtseil aus lichter Höhe herab auf die supertolle Superbühne, die sie in die Mitte des Happel-Stadions stellen ließ. Und nein, auch geübte Konzertgeher haben so etwas Aufwendiges noch nicht oft gesehen.

Und noch während sie herniedersauste, begrüßte sie die Fans auf diese freundlich-unverbindliche Flugbegleiterinnenart, die nur Helene Fischer zu etwas ganz Besonderem machen kann. 

Da war sie wieder, die große, die allergrößte Menschenzusammenbringerin des deutschen Musikgeschehens, und Wien war bereit für den riesengroßen Wir-Sinn, der ein Helene-Fischer-Konzert ausmacht.

Groß sein ist alles

Fischer hat ihre kleine Schlagerheimat längst hinter sich gelassen, und ja, das war auch Thema des Konzerts am Samstagabend: Schließlich galt es, 20 Karrierejahre zu feiern. Sie hat den Kern dieser Unterhaltungsmusik, die in weitesten Teilen vom Effizienzgedanken beseelt ist – wenig Aufwand, viele Einnahmen – bewahrt und zu etwas Gigantischem gemacht: Helene-Fischer-Shows sind keine Konzerte, es sind Liebeserklärungen an die größten Gefühle, und dazu eine riesige Unterhaltungsmaschinerie im Geiste des Zirkus.

So auch bei dieser Tour, vielleicht sogar ganz besonders bei dieser Tour, die zugleich Triumphzug als auch einigermaßen gemischte Retrospektive war: Es gab Hochseilakrobatik und Feuerwerk, Bühnenzauber und einen Helene-Fischer-Thron, es gab Fan-Selfies und einen Reißverschluss, der „vor Freude“ (sagte Fischer!) platzte

Letzterer sollte das zweite, blauglitzernde Kostüm von Fischer am Rücken zusammenhalten, wollte er aber nicht. Nun gut (und dass auf einem Plakat „Helene, du geile Sau“ stand, wie Fischer freudig verlas, hatte damit nichts zu tun).

  Nicht Alles Walzer in der Oper!

Das Generalthema Kleidungsfehlfunktion ist uns an diesem Abend noch einmal begegnet, und zwar in Form einer Textzeile, anhand derer man gut darüber nachsinnen konnte, wie lange 20 Jahre Karriere eigentlich sind. „In zerrissenen Jeans um die Häuser ziehen“, singt Fischer in „Mit keinem anderen“, aber ist das derzeit überhaupt in? Seit Veröffentlichung des Songs im Jahr 2013 scheinen Jeans mit vorgefertigten Löchern mindestens zwei Mal out und dann wieder in gewesen zu sein. Man verliert so schnell den Überblick.

Wobei Geschmacksfragen ja eben nicht im Zentrum des Fischerschen Angebots stehen, im Gegenteil. Sie heißt alle ihre Schäfchen gleichermaßen willkommen, streng im Geiste Nirvanas: Kommt, wie ihr seid. Denn Helene Fischer ist jene Bühnenfigur, die uns sagt, dass alles, wirklich alles gut ist, die es schafft, mindestens vier Generationen und zwei Dutzend sozioökonomische Milieus zu einer großen Fangemeinschaft zu machen. Und das ganz ohne jene Ab- und Ausgrenzung, die im Schlager durchaus auch gerne als Marketinginstrument verwendet wird.

Liebe für alle

Nicht bei Fischer. Sie will ihre große Liebe verteilen, wie sie alsbald ruft, und man hat das schöne Gefühl, es ist ihr egal an wen. Im Gegenzug fördert – und fordert! – sie das Glücklichsein, das, geht es nach den Lyrics, bereits im zweiten Song des Abends, „Unser Tag“, erreicht sein soll.

„Willst du wissen, ob ich glücklich bin, dann frag’“, singt sie da, „ich sage ja“. Ja sagen auch die Fans: Sie sind gekommen, um glücklich zu sein und sich am genussfertigen Gefühlsbüffet zu laben.

Und zwar ohne Bitterstoffe: „Hast Du Träume, die Du nicht erreichen kannst? Gefühle, die Du …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 4 times, 4 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.