Causa Ruck: Die Anatomie eines Aufregers

Politik

Seit rund einer Woche führt in der politischen Debatte kein Weg an dem Mann vorbei, der davor außerhalb Wiens in der breiten Öffentlichkeit wohl kaum jemandem ein Begriff war. Gesprächsprotokolle von Wiens Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck kamen an die Öffentlichkeit. Die Zitate – Ruck selbst hat diese nie bestätigt – befeuern alles, was man mächtigen Männern oft unterstellt: Sexismus, Packelei, Postenschacher.

Am Freitagabend zog die ÖVP nach zahlreichen ungehörten Rücktrittforderungen die Reißleine. Der Bundesparteivorstand schloss Ruck aus der Partei aus. Der 62-Jährige habe das Ansehen der ÖVP in der Öffentlichkeit beschädigt, und – obwohl ihn Parteichef Christian Stocker dazu aufgefordert hat, keinerlei Bereitschaft gezeigt, an der „Aufarbeitung oder Klärung der Vorwürfe“ mitzuwirken.

Ruck kündigte schon vor dem Ausschluss an, den Sessel des Wirtschaftskammer-Präsidenten dennoch nicht zu räumen – und stellt die ÖVP damit vor weitere Probleme (siehe unten). Aber nicht nur sie, sondern auch die SPÖ. Denn der mächtige Wiener Bürgermeister Michael Ludwig ist der Einzige, der weiter zu Ruck hält.

Doch warum geriet ausgerechnet die Causa Ruck zu einem österreichweiten Politikum?

These 1: Ruck ist für seine eigene Partei schon seit langer Zeit unangenehm. 

Die überlieferten Zitate, die nur von einem machtbewussten Mann stammen können, sind deswegen so glaubhaft, weil man Ruck nicht anders kennt. Er verzichtet nicht nur in Weinkellergesprächen darauf, zimperlich zu sein – sondern auch in aller Öffentlichkeit. Gernot Blümel, Karl Mahrer, Markus Figl – alle Wiener ÖVP-Chefs der vergangenen Jahre mussten sich von Ruck parteiinternen Widerstand gefallen lassen.

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Vor allem seine Nähe zu Ludwig findet in der ÖVP nicht nur Anklang. Die Kritik perlte an Ruck stets ab, schließlich ist die ungewöhnliche Männerfreundschaft ein wichtiger Baustein seiner Macht. Unbedingte Loyalität – wie sie Ludwig nun beweist – gehörte da immer dazu. Auch Ruck stützte ihn stets.

Etwa damals, als Ludwig in der Causa Wien Energie unter Druck kam und Ruck jenen ÖVP-Abgeordneten, die „seinem“ Wirtschaftsbund entstammen, untersagte, der eigenen Parteilinie folgend gegen Ludwig zu stimmen. Diese gehorchten – und sorgten damals für eine Polit-Posse, die vielen noch in Erinnerung ist. Während der entscheidenden Abstimmung versteckten sie sich außerhalb des Saals im Rathaus.

Dass viele in der ÖVP den Gegenwind nutzten, um Ruck endgültig in die Schranken zu weisen, verwundert nicht. Statt – wie in derartigen Fällen üblich – die Causa klein zu halten, war es Rucks eigene Partei, die medial am lautesten gegen ihn auftrat.

These 2: Der ewige Kampf um die Sozialpartnerschaft. 

Kaum ein öffentlicher Auftritt von Michael Ludwig kommt ohne die Erwähnung des Erfolgsmodells Sozialpartnerschaft aus. Der Bürgermeister und der Wiener Wirtschaftskammerpräsident stehen wie kaum zwei andere für die historisch mächtige schwarz-rote Achse. Dass Ruck (und damit auch Ludwig) so in den Fokus geraten sind, wird von Politinsidern auch als Angriff auf die Selbstverwaltung gewertet. Ruck selbst brachte diesen Vorwurf in einem Schreiben ins Spiel und sprach von einer „Kampagne“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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