Ebola in der DR Kongo: Eine Epidemie, die die Welt nicht bewegt

Politik

Provisorische Kreuze aus Metallplatten oder Holzschindeln, die in lehmfarbenen, trockenen Erdhaufen stecken; Dutzende solcher kleinen Hügel reihen sich aneinander, ab und an teilt ein steinernes Grab die Anordnung. Die Fotos aus der Stadt Mongbwalu aus der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zeigen das ungeschönte Ausmaß der Ebola-Epidemie. Nach knapp zwei Monaten ist es bereits der drittgrößte, jemals verzeichnete Ebola-Ausbruch.

Am 15. Mai bestätigten Behörden den Ausbruch der lebensbedrohlichen Viruserkrankung, kurz darauf rief die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) aus. Nun wurde das 1.000 registrierte Todesopfer verzeichnet – ein wesentlicher Referenzwert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, möglich sind doppelt bis fünfmal so viele Tote. Rund 2.500 Menschen sind nachweislich erkrankt, auch hier dürften es in Wirklichkeit einige Tausende mehr sein. Zur Einordnung: Beim Ausbruch zwischen 2013 und 2016 in Westafrika starben tausend Menschen innerhalb von acht Monaten.

Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo, der dritte weltweit durch den Typ Bundibugyo, für den es bisher weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt. „Das Virus hatte einen Riesenvorsprung“, sagt Marcus Bachmann, humanitärer Berater von Ärzte ohne Grenzen (MSF) Österreich, der zwischen 2014 und 2016 in Sierra Leone und 2018 und 2019 auch in dem aktuell wieder betroffenen Gebiet in der DR Kongo die Einsatzleitung zur Bekämpfung der damaligen Ebola-Epidemien inne hatte. „Retrospektiv konnte man nachweisen, dass es mindestens schon Mitte Februar, möglicherweise sogar schon Anfang Februar erste Fälle gegeben haben muss.“ Drei Monate Vorsprung, „das ist schrecklich viel. Das aufzuholen ist ein Herkulesakt.“

  Nach EU-Strafe gegen Google: Trump droht mit „erheblichem Zoll“

Virus hat „Riesenvorsprung“

Laut Bachmann hält der Vorsprung des Virus an, die WHO sieht das genauso – die Rede ist vom sich am schnellsten ausbreitenden Ebola-Ausbruch aller Zeiten. Die lokalen Bekämpfungsmaßnahmen wurden massiv ausgeweitet. Die begrenzte, nationale und sehr föderalistisch organisierte Gesundheitsversorgung wird international unterstützt, doch die globale Reduzierung humanitärer Hilfe ist deutlich sichtbar. Vergangene Woche warnte die WHO, dass bisher weniger als die Hälfte der benötigten 115 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung der Epidemie in der DR Kongo zusammengekommen seien. Finanzierung, medizinische Hilfsgüter und Ausrüstung kommen vor allem von NGOs, neben MSF etwa Samaritan’s Purse, Medair, CARE und den Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Letztere kümmern sich um Begräbnisse.

MSF ist mit 1.400 Mitarbeitern vertreten, 1.200 davon lokalen. Laut Bachmann stellt MSF aktuell über 400 Ebola-Betten in Behandlungs- und Isolationszentren zur Verfügung, in Zusammenarbeit mit Behörden oder die man alleine betreibt. Das ist knapp die Hälfte der insgesamt 830 verfügbaren Ebola-Betten.

Derzeit breiten sich die Fälle gen Westen aus, entlang einer der wichtigsten Verkehrsachsen weiter ins Landesinnere. Eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen die Epidemie ist die Aufklärung der Bevölkerung: „Acht von zehn Fällen stecken sich an unbekannten Infektionsketten an. Das sind keine Patienten, die Teil einer Kontaktüberwachung waren und die zu spät in die Behandlung kommen, weil sie Angst haben.“ Die ersten Symptome einer Ansteckung sind bekanntlich sehr unspezifisch und anderen Infektionskrankheiten ähnlich. Erst in sehr weit fortgeschrittenem Zustand folgen sogenannte „nasse“ Symptome: Flüssigkeitsverlust, Erbrechen, Durchfall, Blutungen.

Angst und Kämpfe erschweren Eindämmung

„Menschen versuchen, in solchen Situationen zu rationalisieren. Sie sehen, der Erkrankte geht in ein Ebola-Behandlungszentrum, er lebt noch, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.