
Einst Best Buddies, zwischen denen kein Blatt passte, hängt heute der Haussegen schiefen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Premier Benjamin „Bibi“ Netanjahu. Mehr noch: Zwischen den beiden Staatslenkern kam es zuletzt sogar zu Schreiduellen. Und beide befinden sich in kriegerischen Auseinandersetzungen. Zudem stehen sie vor Wahlen innenpolitisch schwer unter Druck. Dieser Mix macht das neuerliche Treffen des Duos am Dienstag im Weißen Haus zu einer brisanten Angelegenheit.
Angereist war „Bibi“ zur Trauerfeier des verstorbenen republikanischen Senators Lindsey Graham, der Zeit seines Lebens bedingungslos an der Seite Israels gestanden ist. Doch der Dienstag ist auch ein Markstein für Nahost, einer Region, die im Zentrum des Treffens mit Trump steht: Vor exakt fünf Monaten, am 28. Februar, begann der Krieg gegen den Iran: Israel und die USA schlugen los. Doch der ursprünglich von beiden Seiten angepeilte Regime-Wechsel blieb aus – trotz der Tötung des damaligen Führers Ayatollah Ali Khamenei gleich am ersten Tag.
Und jetzt? Der US-Präsident sucht seit Wochen nach dem gesichtswahrenden Ausgang aus diesem Krieg – Netanjahu will das gar nicht und dafür sein Vis-a-vis von der Fortführung der Bombardements überzeugen. Dem Vernehmen nach will er in Washington Geheimdienstinformationen vorlegen, die beweisen sollen, dass der Iran sein Atomprogramm wieder vorantreibe und auch noch etwa 2.000 einsatzfähige Raketen habe, darunter solche mit einer Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern.
Doch aktuell setzt das Weiße Haus auf Verhandlungen mit Teheran, was dort zwar bestritten wird, aber immerhin ruhen seit Tagen die wechselseitigen Angriffe. Und das hat aus amerikanischer Sicht drei Gründe. Erstens gehen die Luftabwehrraketen zur Neige, mit denen die USA ihre Militärbasen in der arabischen Welt schützen (die in Bahrain, Kuwait oder Jordanien wurden immer wieder aus dem Iran angegriffen). Zweitens ist die Zustimmung in den USA für diesen Waffengang auf dem Tiefpunkt. Und aus diesem Faktum leitet Trump negative Auswirkungen auf die Teil-Kongresswahlen in den USA ab, die in rund 100 Tagen anstehen.
„Ich werde ihnen nein sagen“
Statt also den Krieg gegen das Mullah-Regime erneut zu starten, will das Weiße Haus Israel dazu drängen, das im Südlibanon stationierte Militär vermehrt und schneller zurückzuziehen. Diese Region hatten die israelischen Streitkräfte als Pufferzone im Kampf gegen die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz besetzt. Allerdings hatte Netanjahu bereits vor seiner Abreise nach Washington klargestellt: „Ich werde ihnen nein sagen.“
Auch diese Halsstarrigkeit ist der Innenpolitik geschuldet. der Premier will sich vor den israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober keine Blöße geben – zumal es laut Umfragen derzeit nicht danach aussieht, dass er Regierungschef bleiben kann. Selbst in der eigenen Likud-Partei regt sich Widerstand gegen den Langzeit-Premier.
„You are fucking crazy“
In der Frage der Bekämpfung der Hisbollah im Südlibanon waren „Bibi“ und Trump schon einmal heftig aneinander geraten. Weil Netanjahu Anfang Juni auch Vororte der Hauptstadt Beirut beschießen ließ und so eine iranisch-amerikanische Annäherung gefährdete, rief der US-Präsident den Premier an und beschimpfte ihn unflätig: „You are fucking crazy“ (Du bist völlig irre“).
Seither fremdeln die beiden Alpha-Tiere, um es freundlich zu formulieren. Als Netanyahu jüngst meinte, die USA sollten keine F-35-Kampfflugzeuge an die Türkei liefern, schnappte Trump knapp vor dem …read more
Source:: Kurier.at – Politik



