Essiggurken im Supermarkt kommen immer öfter aus Asien

Wirtschaft

Im Wurstsemmerl, zur Brettljause oder im Gulasch – das Essiggurkerl ist ein Klassiker der österreichischen Küche. Immer häufiger stammen die Gurken im Glas aber aus dem Ausland statt von heimischen Bauern. Kamen in den 1990er-Jahren noch 80 Prozent der Einlegegurken aus Österreich, ist es jetzt nur noch ungefähr jede fünfte. Und auch die Entfernungen werden weiter. Bis vor ein paar Jahren stammte die Importware meist aus dem europäischen Ausland. Mittlerweile kommt sie immer öfter aus Asien und legt  vom Feld bis in den Supermarkt mehrere Tausend Kilometer zurück.

Oft fehlt am Etikett die Herkunftskennzeichnung

Für die Konsumenten ist nicht immer leicht erkennbar, woher das Gemüse im Einmachglas stammt, so eine Untersuchung des Vereins „Wirtschaften am Land“.  Für diese wurden im Juni insgesamt 98 verschiedene Essiggurkengläser überprüft. Rund ein Drittel bestand aus heimischen Gurken, bei sieben stammte der Rohstoff aus der EU und 56 Produkte blieben ohne Herkunftsangabe. Besonders häufig fehlte die Information über die Herkunft der Gurkerl bei den Handelseigenmarken: Von 40 überprüften Produkten fehlte sie bei 31. 

„Wirtschaften am Land“ fragte bei den Supermarktbetreibern nach. Die Antworten hätten überrascht, berichtet Vereinsobmann Robert Pichler. So wurden etwa vereinzelt ganze 15 mögliche Herkunftsländer (von Nordmazedonien über die Türkei bis nach Russland) für ein einziges Produkt angeführt. Bei fast einem Viertel der überprüften Eigenmarken-Produkte stammten die Gurken aus Indien.

Die Konzerne Spar und Rewe (Billa) teilen auf KURIER-Nachfrage mit, dass man bei Eigenmarken auf heimische Produkte setze oder auf einen Mix von Gurken aus verschiedenen EU-Staaten (etwa Österreich, Deutschland, Polen oder Ungarn). Weil die Herkunftsländer sich je nach Verfügbarkeit verändern können, gebe man auf dem Etikett nur den Ort der Verarbeitung an. So steht auf den Gläsern etwa „Abgepackt in Österreich“, ohne dass die Gurken von heimischen Bauern stammen.

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Efko-Chef fordert eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Thomas Krahofer, Geschäftsführer des Gemüseverarbeiters Efko, fordert deswegen die Einführung einer verpflichtende Herkunftsangabe. Diese würde sicherstellen, dass Konsumenten einfach erkennen, woher die Gurkerl kommen. An die Konsumenten appelliert er, im Supermarkt nicht nur auf den Preis zu schauen. „Der Importdruck verändert den Produktionsstandort Österreich“, warnt er. Produktionskapazitäten würden langsam verschwinden. „Was wir heute verlieren, lässt sich morgen kaum mehr zurückholen.“ 

Das bestätigt auch Gemüsebauer Alfred Aichinger aus Hartkirchen (OÖ). Er baut seit 40 Jahren selbst  Gurken an und liefert diese an Efko. „Früher war ich einer von vielen, jetzt bin ich einer von ganz wenigen Gurkenbauern“, erzählt er. Auch die Anbauflächen der Gurken schrumpfen: Von 2025 auf heuer sind sie von 118 auf 104 Hektar zurückgegangen.

Schuld am Preisdruck sind Krahofer zufolge die ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Die heimischen Landwirte seien mit höheren Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards konfrontiert als der Mitbewerb in Asien. So würden die Bauern dort wirksame, aber umweltschädliche Pestizide einsetzen, die hierzulande verboten sind.

Erntehelfer kosten 19 Euro pro Stunde, statt wenige Euro pro Tag

Ein weiteres großes Thema seien die Lohn- und Lohnnebenkosten, bestätigt auch Franz Waldenberger. Er ist der Präsident der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich, wo der Großteil der heimischen Gurkerl wächst. Während ein Erntearbeiter einen heimischen Bauern rund 19 Euro pro Stunde kostet, verdienen die Helfer in Ländern wie Indien als Tagelöhner nur wenige Euro …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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