
Die vor allem als langjähriges Ensemblemitglied des Wiener Volkstheaters bekannt gewordene Schauspielerin Vera Borek ist am Samstagabend im Alter von 85 Jahren „nach einem kurzen Spitalsaufenthalt“ in Wien verstorben, wie die APA am Sonntag aus dem Umfeld der Familie erfuhr. Sie prägte über viele Jahre hinweg mit ihren markanten Rollengestaltungen das Wiener Bühnengeschehen. Von 1982 bis zu seinem Tod im Jahr 1986 war Borek mit Helmut Qualtinger verheiratet.
Die Tochter einer deutschen Opernsängerin und eines Wiener Lederwarenhändlers wurde am 20. September 1940 in Breslau geboren und kam mit der Familie als Kind nach Wien. Sie besuchte in Hannover die Schauspielschule und hatte in Bochum, Münster, Wiesbaden und Hamburg Engagements, ehe sie auch beruflich wieder nach Wien kam. Sie war eine wichtige Stütze der Theaterprojekte von Hans Gratzer am Schauspielhaus Wien und von Michael Schottenberg mit dem „Theater im Kopf“.
Zahlreiche Rollen am Theater und im TV
Am Volkstheater Wien, wo sie von 1976 bis 2005 zum Ensemble zählte, spielte sie u.a. die Jenny in der „Dreigroschenoper“, die Ada in „Zur schönen Aussicht“, die Valerie in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ oder die Marthe in „Der zerbrochne Krug“. Immer wieder war sie in zeitgenössischen Stücken zu sehen, von Werner Schwab bis zu Gert Jonke und Elfriede Jelinek. Auch nach ihrer Pensionierung war sie noch am Volkstheater zu Gast, etwa als Claire Zachanassian in „Der Besuch der alten Dame“ 2007 oder Schwester Rosa in der Bühnenversion von Pedro Almodóvars „Alles über meine Mutter“ 2009. Im Jahr 2014 war sie in Schottenbergs letzter Volkstheater-Saison als Fräulein Dr. von Zahnd in Dürrenmatts „Die Physiker“ zu sehen.
Auch vor die Kamera trat die Schauspielerin immer wieder, etwa in den TV-Serien „Tatort“, „Kommissar Rex“ oder „Der Bulle von Tölz“. Xaver Schwarzenberger brachte sie in „Vino Santo“ (1999) wieder auf die Kinoleinwand, wo sie bereits in Maximilian Schells „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1979) oder Helmut Käutners „Mulligans Rückkehr“ (1977) zu erleben war. Ein kurzer Ausflug führte sie – in „Alltagsgeschichten“ – auch an die Kammerspiele der Josefstadt.
Hörspieljury würdigte Borek als „Schauspielerin des Jahres 2017“
Gemeinsam mit Helmut Qualtinger, den sie 1969 in Hamburg kennengelernt hatte und den sie 1982 heiratete, unternahm sie Lese-Tourneen. „Uns verband eine große Liebe. Er war unbestechlich und wahrhaftig und auch als Mensch einzigartig“, sagte sie einmal über den 1986 gestorbenen Schauspieler, Autor und Multikünstler. Seinen Texten hatte die prägnante Sprecherin, die viele Hörspiele und Hörbücher aufgenommen hat, auch immer wieder Lesungen gewidmet.
Vor knapp zehn Jahren wurde Vera Borek von der ORF-Hörspieljury zur „Schauspielerin des Jahres 2017“ gekürt. Das Fachgremium ehrte sie für ihr Lebenswerk und ihre aktuelleren Arbeiten. Als Begründung lobte die Jury bei der Hörspielgala 2018 vor allem Boreks Sprachkunst: „Ihr reflektiertes Umgehen mit Sprache, das genaue Gefühl für Form fasziniert und interessiert“, hieß es.
„Borek hat Legionen von bizarren Gestalten, Frauen, Männern, Kindern, Kontur gegeben und ebenso unzählige Male Besucher mit ihrer ruppigen, kratzigen, widerspenstigen, bedrohlichen Stimme gebannt“, hieß es einmal in der „Presse“ in einer Würdigung. Im Jahr 2010 wurde Borek im Wiener Rathaus mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.
Source:: Kurier.at – Kultur



