
Gleich vorweg: Denis Scheck war nicht zu Gast. Der erbittertste Kritiker von Sebastian Fitzek, der dessen millionenfache Bestseller für „yoyeuristische Gewaltpornos“ hält, der über ihn recht unverblümt Sachen sagt wie ,Wie kann es sein, dass ein so talentloser, klischeeverhafteter und – mit Verlaub – dummer Autor landauf, landab von der deutschen Kritik als ,Thriller-König“ bejubelt wird?’, er war nicht bei der 20-Jahre-Jubiläumsshow des deutschen Schriftstellers.
Das ist ein bisschen schade. Denn Fitzek hätte da beweisen können, wie peripher ihn die Worte des Literaturkritikers tangieren, vielleicht hätte man sogar Zeugin eines geistreichen Austauschs über den Wert von Bestsellern im Literaturbetrieb werden können.
20.000 Menschen
Na gut. Das wäre vielleicht ein bisschen viel verlangt. Aber Scheck hätte zumindest ein paar Ansprechpartner gefunden, die ihm erklären hätten können, warum das Oeuvre des „talentlosen“ Autors ihnen so gut gefällt. Denn das 20-Jahr-Jubiläum seines Schreibens hat Fitzek nicht in einem kleinen Club gefeiert, sondern in der Arena der Berliner Waldbühne. Vor 20.000 Menschen. Wie so ein Popstar. Zwar ein etwas uncooler Popstar, aber immerhin ein Popstar. RTL+ übertrug die Show am Samstag live. Fitzek begrüßte seine Fanschar munter und erklärte, hier werde ja jetzt nicht nur sein runder Jahrestag gefeiert, sondern auch „69, Leichen, 27 Serienkiller und eine einzige Sexszene“. Die Prioritäten waren also schon zu Beginn klar. Dann sagte er, dass alle, die hier sind, den Nervenkitzel lieben und deswegen sicher mit der Deutschen Bahn gekommen sind. Der Witz versickerte ein bisschen in seinem Publikum, das sich wahrscheinlich gerade dachte: „Moment, für lahme Witze hätte ich zu dem anderen, dem Mario Barth gehen könnte. Ich bin doch für Blut und Qual angereist, hallo!“
Dann kündigte der Mann, der am liebsten über übel zugerichtete Leichen, grausame Foltervergewaltigungen und lebendig abgeschnittene Körperteile schreibt, an, diese zwei Stunden „lassen wir die echte Welt, die so aus den Fugen geraten ist, außen vor“.
Wen Nachbarn halt nett finden
Eine „riesige Buchparty“ wolle er feiern, sagte Fitzek. Dafür wurden Prominente mit Videobotschaften zwischengeschaltet. Sängerin Kim Fisher sagte, Fitzek sei sehr nett. Das ist für manche ein Kompliment. Für andere ist nett „die kleine Schwester von scheiße“. Und für Fitzek-Leser ist es das, was Fisher dann auch erläuterte: „So nett wie einer, von dem die Nachbarn gar nicht glauben können, dass er ein Serienkiller war.“ Irgendwann zeigte Fitzek seine erste Autogrammkarte her und da sah er aus wie ein Buchhalter, von dem alle Kollegen gar nicht glauben konnten, dass er ein Serienkiller war.
Mehrfach wurde an diesem Abend aus Fitzek-Büchern vorgelesen, von ihm allein, einmal mit der erst 13-jährigen, und damit total für Foltermetzelhorror geeigneten Gewinnerin eines Vorlesewettbewerbs, und einmal mit dem professionellen Einleser seiner Hörbücher. Immer jedoch mit wummernder Spannungsmusik im Hintergrund.
Am nächsten kam der Abend Denis Scheck in einem Programmpunkt, in dem Fitzek seine Selbsironie demonstrierte: dem Kritiker-Hater-Karaoke. Zur Melodie von „Skandal im Sperrbezirk“ rappte sich der Autor durch geschickt montierte Bewertungen von Amazon-Kunden. Das zeitigte so schöne Verse wie: „Der Typ ist ein gestörter Mann, das Buch kam ganz zerfleddert an.“ Und „ Keine Ahnung, was der Fitzek raucht, hab ein Jahr für den …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



