„Sommernachtstraum“ in Stockerau: Herrliche Possenreißer, aber kein großes Ganzes

Kultur

Es ist ein Wagnis, Shakespeares unsterbliche Komödie „Sommernachtstraum“ auf eine Sommerbühne zu heben – braucht man doch ein großes Ensemble in entsprechender Qualität und ein überzeugendes Bühnenkonzept, um zwischen der Stadt Athen und einem nahen Zauberwald hin und her zu wechseln.

Letzteres wird in Manfred Wabas Bühnenbild mittels Drehbühne gelöst. Mit antiken Säulen und Skulpturen baute er einen Palast, der auch Kitsch-Wohnsitz eines Neureichen sein könnte. In Verbindung mit der barocken Stockerauer Kirche im Hintergrund wirkt das überladen. Vielleicht spendete das Publikum an diesem schwülen Sommerabend auch deshalb Zwischenapplaus, als die Bühne aufs frische Grün der Waldszenerie wechselte.

Unentschlossen

Die Inszenierung des Stockerau-Intendanten Christian Spatzek (spielt auch Egeus) erntete zwar auch Szenenapplaus – am Ende auch Jubel –, wirkt aber unentschlossen. Vor der Pause fehlt es an Tempo, Vieles wirkt dahingesagt. Die Herausforderung liegt auch in den verschiedenen Sphären, die am Werk sind. Da ist die Ebene der weltlichen Macht, in der die Hochzeit zwischen Theseus (Peter Windhofer) und Hippolyta (Susanna Hirschler) bevorsteht. Am Hof sind zudem zwei jüngere Paare, bei denen die falschen miteinander verbandelt sind: Selina Heindl als Helena, Michelle Härle als Hermia, Fabian Spatzek als Lysander und Manuel Sonnleitner als Demetrius.

Die Flucht in den Wald überdreht das Liebeschaos weiter. Dort streitet das Elfenkönigspaar Oberon und Titania (Windhofer/ Hirschler in Doppelrollen) und zieht die Liebenden hinein. Caroline Vasicek punktet als hyperaktiver Kobold Puck und trägt das entzückendste der schön gestalteten Kostüme (Babsi Langbein).

Liederliches Kleeblatt

Hinzu kommt eine Handwerkerpartie, die bei Hofe „Pyramus und Thisbe“ aufführen will. Andreas Lust führt als Niklas Zettel, der sich zum Regiemeister aufschwingen will, das liederliche Kleeblatt an. Bevor es zum herbeigesehnten Stück im Stück kommt, wird er zum Esel verzaubert, der sich gar lüstern mit Titania in den Baumkronen räkelt.

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Lust spielt und springt im Stile eines nestroyschen Possenreißers, dass es eine Freude ist. Bei „Pyramus und Thisbe“ (angesagt von Peter Josch als Peter Squenz) dürfen Christoph Fälbl als Wand („Oh Wand!“) bzw. Mond („Oh Mond!“), Reinhard Nowak als übel verschminkte Thisbe, Lust als outrierender Pyramus und Franz Surahda als schüchterner alter Löwe nach Herzenslust schmieren und Kabarett spielen.

Die so wichtige Poesie und Magie überträgt sich davor aber kaum, da muss per Glöckchen-Sound nachgeholfen werden. Auch der Musical-Schluss wirkt wie ein Fremdkörper.Peter Temel

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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