
Nach seinem Ausstieg bei den Neos ist Matthias Strolz vielfach als Unternehmer tätig. Als Autor hat er ein neues Buch über die Selbstgefährdung der Menschheit herausgebracht: „Homo Universus“.
Den ersten Teil des ausführlichen Interviews mit dem Neos-Gründer, in dem Strolz über die Neos, Meinl-Reisinger und die Dreierkoalition spricht, lesen Sie hier:
KURIER: Herr Strolz, dieser Tage erscheint Ihr neues Buch „Homo Universus“, in dem Sie sich mit der Zukunft der Menschheit auseinandersetzen. Speziell mit der Frage, ob sie die Selbstgefährdung überwinden kann. Was hat Sie dazu bewogen?
Matthias Strolz: Der Weltwahnsinn, der uns alle umgibt. Es ist eine Zeit multipler Krisen. Das verlangt jeder und jedem von uns viel ab. Aber wir müssen durch diesen Wahnsinn, der da grassiert, durchkommen. Das trifft mich genauso. Meine Bewältigungsstrategie zu solchen Anlässen: Ich schreibe dann Bücher. Damit sortiere ich mich im Umgang mit der verrückten Welt.
Sie schreiben darin, dass wir an einem kritischen Punkt angekommen sind. Es habe noch nie so viel Wissen gegeben, aber die Menschheit sei auch noch nie so nahe der Selbstgefährdung gewesen.
Wir sind an einem Scheitelpunkt der Menschheitsgeschichte angekommen. Die Künstliche Intelligenz etwa wird viele Segnungen bringen, aber auch Gewalt. Wenn früher einer unrund war, dann hat er den Nachbarn erschlagen, was schlimm genug war. Aber jetzt, wenn die Falschen unter uns sind, können sie ganze Kontinente erschlagen. Deswegen glaube ich, dass wir unseren technologischen Sprüngen zügig nachreifen müssen. Sonst sprengen wir uns selbst weg vom Planeten. Das heißt, wir müssen als Menschen und Menschheit auf eine neue Bewusstseinsstufe kommen.
Spannend ist der Umgang mit der Künstlichen Intelligenz. Sogar Papst Leo XIV. hat das Thema aufgegriffen aus Sorge, dass es sich in die falsche Richtung entwickelt.
Auf der einen Seite herrscht große Angst vor dem, was da passiert. Andere sagen, das ist die große Revolution, was wir alles können. Mit Sicherheit ist es ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Das ist nicht vergleichbar mit der Einführung des Computers, eher mit der Domestizierung des Feuers. Es gibt sehr viele KI-Experten, die sagen, wir bräuchten ein Moratorium, einen Stopp, um uns Regeln auszumachen. Das Problem ist, im Moment ist das Getriebe so aufgestellt, dass es in der Hand von entweder fragwürdigen Tech-Pros oder von machtorientierten geopolitischen Akteuren ist. Keiner ist bereit, sich an den Tisch zu setzen und zu sagen, wir führen Sicherungsprozesse ein. So wie wir es bei der Atomkraft – zumindest nach dem Abwurf der zwei Atombomben – gemacht haben.
Sie befassen sich in dem Buch auch mit Gut und Böse und wie es verschwimmt. Früher scheinen die Zehn Gebote in der Bibel für die Unterscheidung gereicht zu haben. Jetzt nicht mehr?
Oft verschwimmt es. Es ist auch nicht schwarz-weiß. Nehmen wir die Covid-Pandemie her. Was war damals gut, was war böse? Es ist total schwierig, das zu vermessen. Manchmal passieren ja auch schlimme Dinge aus gut gemeinter Motivation, und trotzdem war es ein Topfen. Ich hoffe, dass manche, die damals eine Impfpflicht gefordert haben, das im Guten getan haben, weil empirische Evidenz war damals nicht auf ihrer Seite. Gut und Böse – ich glaube, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



