Matthias Strolz: „Die Neos haben an manchen Ecken ihre Ideale verraten“

Politik

Nach seinem Ausstieg bei den Neos ist Matthias Strolz vielfach als Unternehmer tätig. Als Autor hat er ein neues Buch über die Selbstgefährdung der Menschheit herausgebracht: „Homo Universus“. Im Interview mit dem KURIER sprach er aber auch über die aktuelle politische Situation und den Zustand seiner Ex-Partei.

Teil 2 des ausführlichen Gesprächs mit dem Neos-Gründer lesen Sie am Sonntag auf kurier.at.

Wie mühsam Demokratie sein kann, erleben Sie ja derzeit bei Ihrer Partei, den Neos, die Sie gegründet haben, bei der Sie aber ausgetreten sind. In der Opposition war man eine bestimmende Kraft, in der Regierung funktioniert es nicht so ganz.

Natürlich ist das ein absoluter Grenzgang. Das ist ein Rendezvous mit der Realität. Regieren mit zwei Kräften, die eigentlich marodieren. SPÖ und ÖVP haben ganz große Verdienste um das Land. Sie haben Wohlstand und sozialen Frieden geschaffen. Momentan beobachten wir aber einen Sterbeprozess in Zeitlupe. Das spüren wir auch alle. Das Alte stirbt, das Neue ist noch nicht ganz da. Ich glaube nicht, dass die FPÖ mit ihrer Dritten Republik das Neue ist, ihre letzten zwei Regierungsbeteiligungen waren nicht sehr erquicklich. Wenngleich sie auch gute Ideen haben und man zusammenarbeiten sollte. Mittendrin sind da die Neos, die an manchen Ecken ihre Ideale verraten haben, sowohl in Wien als auch im Bund.

Woran denken Sie da?

Es gibt beispielsweise keine relevante Kürzung der Parteienförderung. Das verstehe ich nicht. Wenn ich das Doppelbudget anschaue, dann wird bei Familien, bei den Sozialausgaben, beim Arbeitsmarkt, in der Kultur gekürzt. Die Parteien aber sagen, wir erhöhen weiter, verzichten erst nach Protesten auf eine Inflationsanpassung und bleiben mit großem Abstand absolute Europaspitze. Das heißt, die spüren sich nicht.

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Wenn Sie noch in Ihrer Partei wären, hätten Sie bei den Themen politisch mitmischen können.

Ich habe meiner Nachfolgerin versprochen, ich gebe Ruhe und das habe ich auch, glaube ich, recht diszipliniert eingehalten. Ich bin jetzt fast acht Jahre draußen. Zuletzt hatte ich angeboten, ich helfe, aber das wollte sie nicht. Das ist auch zu respektieren. Ich finde aber, in der Art, wie man es einander ausrichtet, könnte man doch Würde dazugewinnen. Es war diese Kommunikation teilweise ehrlos. Gleichzeitig halte ich die Neos für wichtig, und es passieren auch gute Dinge, die Österreich guttun. Ob sie in dieser Regierung ihr Versprechen für ein neues Österreich halten können, wird sich im Laufe des nächsten Jahres zeigen. Wenn es nicht geht, muss man raus aus der Koalition.

Es ist allerdings ein eigenartiges Bild, dass mit Ihnen und Veit Dengler gerade jene beiden Personen nicht mehr bei den Neos sind, die die Partei gegründet haben.

Es ist betrüblich, wie das gelaufen ist. Ich glaube, dass sich die Neos hier auch einigen Fragen stellen müssen. Wenn sie hier nicht intern einige mutige Diskussionen führen, wird es in den kommenden Jahren sicherlich schwierig. Eine Partei muss immer auch eine gewisse Ehrlichkeit mit sich selbst haben und sagen, warum laufen Dinge so, wie sie laufen, und wie können wir es besser machen? Das wünsche ich ihnen, dass sie einen wachen und mutigen Blick haben.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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