Donauinselfest 2026: Lauter schöne Menschen, und dazu noch Gruppentanz

Kultur

„Wir vergessen die Vernunft“, sang Zartmann auf der großen Bühne, dabei war die Vernunft zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr die zentrale Frage. Wir sind ja nicht bei einem Philosophie-Proseminar, sondern gegen 21.45 Uhr beim Donauinselfest.

Alljährlich treffen sich die verschiedenen Außensektionen der Stadt beim Juli-Aufmarsch auf der Donauinsel. Man sieht schon bei der Annäherung ans große Fest Gesandte aus den Kraftkammern der Flächenbezirke, aus den heißen Betongassen von Bobohausen, aus jenen Teilen der Stadt, in denen man auch bei 30 Grad lange Hosen und gebügelte Oberbekleidung trägt, weil man keine andere hat, und jenen Teilen, in denen Gewand bei erster Gelegenheit auf das gesetzlich erlaubte Minimum reduziert wird, um darunterliegenden Körperbemalungen aus verschiedensten Jahrzehnten Luft zum Atmen zu geben.

Alle, alle strömen auf die Insel, und das ist ja auch irgendwie verständlich: Wo hat man sonst gratis Gelegenheit, Essen zu gehobenen Preisen zu erwerben? Ihr Rezensent ist alt genug, um sich zu erinnern, dass die Cordon-Bleu-Pommes-Kombi noch unter zehn Euro kostete, heuer sind’s 14,90.

Dort aber, auf der Insel, segmentiert sich die Wienwoche der Wiener wieder in eigene Untergruppen. Es ist ja, wir kehren kurz zurück zu den eingangs erwähnten philosophischen Fragen des Donauinselfests, auch unsere Zeit geprägt von der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen, die schon Ernst Bloch erkannte. Man sortiert sich also im vielfältigen Bühnenangebot auf der Insel recht streng in jene ästhetischen Gruppierungen, denen man aus Jahrgangs- oder Sozialisierungsgründen angehört.

Vor der Elektronik-Bühne von kronehit also hüpft vorwiegend junges Volk zu rumorenden Beats herum.  Bei der Wiener Liedkunstbühne spielte am Freitagnachmittag zuerst eine Linzer Band und dann eine, die auf Englisch sang, vor freundlich mitwippenden Menschen. Und vor der Schlagerbühne sucht ein vielfältiges Publikum Zerstreuung bei Auftritten, bei denen nicht selten ein Gitarrist auf der Bühne steht, obwohl die synthetischen Schlagersounds ein Saiteninstrument noch nie aus der Nähe gesehen haben.

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Und auch die ganz jungen haben diesmal einen tollen Donauinselmoment, der sich manchem (hier!) vielleicht erst beim zweiten Hinschauen entschlüsselt. Es ist ein sich wiederholender Vorgang: Eine englische Stimme zählt von vier runter, dann erklingen in dieser Reihenfolge: Einige Noten eines Songs und einige Kreischlaute. Und dann eilt mal ein Dutzend, mal ein halbes Hundert sehr junge, vorwiegendst weibliche Menschen auf eine freie Fläche vor einer eigenen Bühne – und tanzen die zu diesem Song dazugehörige Choreografie, wie sonst auf TikTok. Nach wenigen Sekunden ist der Songschnipsel vorbei – und das Ganze fängt wieder von vorne an, vier, drei, zwei, eins los.

Der Soundtrack dazu sind, kapiert man dann, entscheidende Stellen aus K-Pop-Hits, und das alles ist ein gut gelaunter Ausdruck dessen, welch kulturelles Phänomen K-Pop geworden ist: Die Bands, Songs und Choreografien der koreanischen Bands haben weltweit, und damit auch auf der Donauinsel, eine gewaltige Anhängerschaft. Für die gab es heuer wieder eine eigene Bühne mit Essen und Pflegeprodukten – und, später, einem Quiz, bei dem der Moderator öfters seine Frage gar nicht fertig stellen konnte, bevor die Fans schon die Antwort wussten.

Da an dieser Stelle mancher gerne etwas von kulturellem Verfall bei jungen Menschen durch das Internet murmelt, sei auf eine …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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