Familienroman „Der Fall der Ebby Freeman“: Ein Krug, gefüllt mit Leben

Kultur

Ebony, „Ebby“, Freeman stammt aus einer wohlhabenden afroamerikanischen Familie. Der Roman beginnt mit einem prägenden Moment ihres Lebens. Ihr Bruder Basil, „Baz“, wurde mit nur 15 Jahren bei einem Raubüberfall im eigenen Haus erschossen. Die kleine Schwester musste sein Sterben mitansehen.

Bei dem Vorfall wird auch ein besonderes Familienerbstück zerstört, das sogar einen Spitznamen hat, „Old Mo“. Eigentlich eine Nebensächlichkeit, gemessen am schwerwiegenden Verlust des Lebens eines Kindes. Aber im Verlauf von „Der Fall der Ebby Freeman“ wird sich zeigen, dass dieser 750 Liter fassende Tonkrug das Herz der Familiengeschichte ist.

Immer in Angst

Er wurde von einem versklavten Töpfer im 19. Jahrhundert in South Carolina hergestellt, eine Tätigkeit, die im öffentlichen Diskurs über jene Zeit noch nicht viel Platz gefunden hat. Der erste Ed Freeman, als Sklave noch Willis genannt, floh als Träger dieses Krugs, der für den Handel bestimmt war, auf einem Walfänger in den Norden. Dort gründet er mit einer Indigenen eine Familie – muss aber nach wie vor fürchten, dass er wieder gefangen wird. Nicht zuletzt, weil er seinen Krug als illegalen Postkasten nutzt. Außerdem hat der Krug eine geheime Inschrift am Boden. Der Originaltitel des Romans ist nicht ohne Grund „Good Dirt“ (Übersetzung: Britt Somann-Jung), also „Guter Dreck“, was darauf anspielt, dass schmutzige Lehmerde  das Potenzial zu Schönheit und Fortschritt hat.

Beiläufige Geschichtsstunde

Autorin Charmaine Wilkerson („Black Cake“) verbindet nun diese historische Spurensuche mit dem Schicksal von Ebby, die es als Erwachsene auch nicht leicht hat. Ihr Verlobter Henry hat sie vor dem Altar stehen gelassen. Sie flüchtet nach Frankreich, wo sie ausgerechnet ihn mit neuer Flamme wieder trifft. Das klingt nach haarsträubender Zufallsdramaturgie, ergibt aber in dieser mehrspurigen Familiensaga tatsächlich Sinn. Wilkerson ist ein beiläufig lehrreicher Roman gelungen, den man kaum aus der Hand legen will und dessen Optimismus die unterschwellige Aussage, dass Freiheit, zumal für die schwarze Bevölkerung der USA, nicht immer Sicherheit bedeutet, überstrahlt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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