
Ob sich Christine Nöstlinger geärgert hätte, dass eine sogenannte Bildungsinfluencerin ihrem „Gurkenkönig“ dieser Tage Rassismus vorgeworfen hat, weil in dem Buch „das N-Wort reproduziert“ wird? Ihre Tochter Barbara Waldschütz meint, es „hätte sie persönlich nicht besonders aufgeregt, sie hätte sich aber vermutlich Gedanken darüber gemacht, ob es Aspekte gibt, denen sie zustimmt.“
Denn Nöstlinger war kritisch mit ihren Texten, sie hat durchaus auch mal etwas umgeschrieben, dass sie nicht mehr zeitgemäß fand. Sie hat auch gesagt, sie würde das N-Wort nie mehr heute schreiben, aber wenn in einer Geschichte der Großvater erzähle, dass er 1945 seinen ersten Schwarzen gesehen habe, dann habe er eben das N-Wort verwendet. Sie sei der Meinung gewesen, das rege Kinder mehr an, weil so die historische Dimension dazukomme. „An ihrer Vorstellung, dass Humanismus und Aufklärung nicht ohne ein Minimum an geschichtlichem Bewusstsein möglich sind, hätte sie sicher festgehalten“, so die Tochter. Denn die Diskriminierung verschwinde ja nicht, weil ein Wort verschwindet, betont Waldschütz: „Statt ,Neger’ sagt der rassistische Onkel dann halt: ,Menschen mit dunkler Hautfarbe sind prinzipiell fauler und passen nicht in unsere Kultur.“
Sie und ihre Schwester Christiane Nöstlinger haben sich als Verwalterinnen des ideellen Erbes ihrer Mutter daher dafür entschieden, Wörter nicht zu eliminieren, sondern ihnen mit einem Sternchen eine Erklärung hinzuzufügen. Solche sind übrigens bereits ab der Ausgabe von 2003 auch im „Gurkenkönig“ zu finden. Auf welche Ausgabe sich die Kritik der Influencerin bezog, ist quellenkundlich nicht ersichtlich. Das Video, in dem nur das Cover eingeblendet wird, lässt eher vermuten, dass sie selbst zuvor in gar kein Buch geschaut hat.
Geburtstagsfeiern
Eine unerquickliche Episode, aber sie soll den Einstieg in die Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger nicht vergällen. Am 13. Oktober hätte die große Wiener Kinderbuch-Autorin ihn gefeiert. Zu diesem Anlass erscheint im Residenz-Verlag eine Gesamtausgabe ihrer Dialektgedichte, „I kenn mi ned wiaglich aus auf da Wöd“. Und bereits vor einigen Wochen ist ein Text posthum erschienen: „Marie und die Wolke“. Illustriert hat ihn Waldschütz. „Eines Tages hat sie gesagt: ,Ich hab da einen Text, willst den nicht illustrieren? So war es eigentlich immer.“ Denn „Marie und die Wolke“ ist nicht das erste Buch der Mutter, dem Waldschütz Bilder verliehen hat. Das erste war „Klicketick“ 1990, auch die berühmte „Feuerrote Friederike“ hat Waldschütz für eine Ausgabe illustriert. Dieses Buch haben übrigens auch sowohl die Mutter selbst als auch Schwester Christiane bebildert.
Gezeichnet hat Waldschütz immer schon gern. Aber den Weg an die Akademie hat sie gescheut: „Da waren diese ganzen bunten Vögel, unglaublich selbstbewusst und aufgeplustert. Ich hab sofort gedacht, nein, so kann ich nicht sein. Und bin wieder umgedreht.“ Sie wendete sich der Biochemie zu, machte aber auch eine Lehre in Lithografie und studierte schließlich Informatik. „Das muss man sich vorstellen, das waren noch Computer mit Lochkarten“, erzählt sie.
Doch noch getraut
Ihre Mutter fand aber, dass sie ihr Talent verschwende an „irgendwelche ominöse Computer“, und machte ihr den Vorschlag, eins ihrer Bücher zu illustrieren. „Ich hab meistens schräg illustriert, weil ich keine liebliche Seite habe. Aber das hat gut zu meiner Mutter gepasst. Die war …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



