Nach Vorfällen: Muss die KI-Entwicklung strenger reguliert werden?

Wirtschaft

Nachdem in Tests autonome Hacking-Versuche von KI-Sprachmodellen publik wurden, diskutieren Politik und Digitalwirtschaft über strengere Regeln für Künstliche Intelligenz (KI). Befürworter verweisen auf die Verantwortung der Entwicklerfirmen sowie Haftungs- und Grundrechtsfragen. Kritiker wiederu warnen vor Wettbewerbsnachteilen und einer Innovationsbremse in Europa.

Ein Überblick:

PRO: Für eine strengere KI-Regulierung

Markus Beckedahl, Geschäftsführer des deutschen Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, fordert eine eindeutige Verantwortung der Hersteller, vergleichbar mit Autos oder Medikamenten: „Wer sie herstellt, haftet für die Schäden.“ 

Beckedahl kritisiert, Unternehmen dürften sich nach Fehlverhalten nicht auf unvorhersehbare Effekte berufen: „Wer komplexe Systeme herstellt, muss sie auch beherrschen.“

1.100 Forscher warnen vor den Folgen

Im offenen Brief „Pacing the Frontier“ warnten über 1.100 Forscher und Angestellte von OpenAI, Anthropic, Google und Meta vor einem potenziell unkontrollierbaren Entwicklungstempo und baten um staatliche Werkzeuge, um automatisierte KI-Forschung im Ernstfall drosseln zu können.

Oliver Marsh, Leiter der Technologieforschung bei AlgorithmWatch, kritisiert mangelnde Konsequenzen für Unternehmen: „Es ist ein Skandal, dass Unternehmen für Gefahren und Schäden … kaum Verantwortung übernehmen und Konsequenzen tragen müssen.“ Er fordert gesetzliche Grundlagen bzw. Nachschärfungen.

CONTRA: Gegen eine strengere KI-Regulierung

Gegen eine strengere Regulierung wird häufig das Argument genannt, Europa könne gegenüber den USA und China benachteiligt werden. Der französische Präsident Macron etwa warnt, der EU-AI-Act könne europäische Akteure wie Mistral AI ausbremsen.

Der deutsche Branchenverband Bitkom warnt eindringlich vor einer Überregulierung des Digitalstandorts. Zu starre bürokratische Hürden und unklare Vorgaben verunsicherten Unternehmen und bremsten die Entwicklung praxistauglicher Anwendungen. Angesichts des Vorsprungs der USA und Chinas drohe Europa bei noch strengeren Regeln endgültig den Anschluss im weltweiten Technologiewettlauf zu verlieren.

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Lizenzierung als Kompromiss?

OpenAI-Chef Sam Altman hat wiederholt eine staatliche Lizenzierung und Aufsichtsbehörden für extrem leistungsfähige KI-Systeme gefordert. Kritiker sehen darin ein mögliches strategisches Manöver, weil große Konzerne hohe Zulassungshürden leichter erfüllen könnten als kleinere Anbieter, Mittelstand oder Open-Source-Initiativen.

Tech-Unternehmen verweisen auch gerne auf die Selbstregulierung, also darauf, dass autonome Hacking-Versuche durch interne Tests („Red Teaming“) entdeckt wurden. Wer die Entwicklung von Modellen pauschal einschränke, nehme IT-Sicherheitsforschern die Werkzeuge, um Abwehrsysteme gegen neuartige digitale Bedrohungen überhaupt entwickeln zu können.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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