Wegen Hitze: Paris sagt „non“ zum Glas Wein am Seine-Ufer

Politik

„Als ich das gehört habe, habe ich mir direkt eine Flasche Wein im Supermarkt besorgt. Aus Prinzip.“ Alexandra sitzt auf ihrem kleinen Balkon im Südosten von Paris und hat sich an diesem Freitagmittag zwar lediglich ein Glas Wasser eingeschenkt, mit Eiswürfeln. Aber wenn sie Lust habe, Wein zu trinken, lasse sie sich das nicht verbieten, versichert die Französin mit empörtem Unterton. Nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem sie trotz beißender Hitze mit der Metro in ihre Arbeit im Pariser Geschäftsviertel La Défense und abends zurück in ihre stickige Wohnung fährt, will sie sich ein Gläschen gönnen dürfen.

Zuhause darf die 45-Jährige das auch. Doch falls sie ihr Glas im Park am Ufer der Seine oder am Canal Saint-Martin genießen wollte, würde sie sich strafbar machen. Angesichts der seit mehreren Tagen andauernden Hitzewelle in Frankreich und Paris mit Temperaturen von bis zu 41 Grad, die auch nachts nur wenig unter 30 Grad absinken, hat die Polizeipräfektur der französischen Hauptstadt von Freitag bis Sonntag jeweils von Mittag bis sieben Uhr am nächsten Morgen ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum erlassen. Der Verkauf alkoholischer Getränke zum Mitnehmen ist jeweils zwischen 18 und sieben Uhr untersagt. In Cafés und Restaurants dürfen Bier, Wein und Co. aber trotzdem bestellt werden. Auch die Supermärkte verkaufen weiterhin alkoholische Getränke. Von einem allgemeinen Alkoholverbot kann damit keine Rede sein.

Höchste Hitze-Warnstufe

Begründet wird die Maßnahme damit, dass der französische Wetterdienst Météo France in dieser Woche für die Hauptstadt die höchste Hitze-Warnstufe erlassen hat, wie zeitweise für mehr als 70 der 101 französischen Départements. Erstmals hob Premierminister Sébastien Lecornu den „Plan Orsan“ – eine Abkürzung für „Organisation der Antwort des Gesundheitssystems auf außergewöhnliche sanitäre Situationen“ – auf das oberste Niveau an. Es gehe laut Polizeipräfektur darum, die Rettungs- und Notdienste zu entlasten. „Alkohol bei großer Hitze zu trinken kann verheerende Folgen haben, was dazu führt, dass die Rettungsdienste beansprucht werden, während andere Bevölkerungsgruppen sie ebenfalls brauchen würden“, sagte der Pariser Polizeichef Patrice Faure.

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Alle Krankenhäuser der französischen Metropole arbeiten inzwischen am Limit. Der Leiter der Notaufnahme des Krankenhauses Georges Pompidou, Philippe Juvin, sprach von einer „extrem ernsthaften Lage“. „Seit Montag geht der Patientenstrom nicht zurück, er stieg am Donnerstag sogar noch an“, berichtete er. Patienten liegen auf Fluren oder Tragebahren, da nicht genug Betten zur Verfügung stehen. Meist handele es sich um ältere Menschen, teilweise aber auch um 50- bis 60-Jährige, die „sehr starke Überhitzung“ aufwiesen. Obdachlose mit einer Körpertemperatur von 42 Grad würden eingeliefert. Zuvor hatte der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire von einer erhöhten Sterblichkeitsrate gesprochen. Die genaue Zahl der Hitzetoten dürfte erst in ein paar Wochen bekannt werden.

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Ist also ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum Teil der Lösung, damit die Situation nicht eskaliert? „Wer trinken will, wird das sowieso tun“, sagt der Franzose Ludovic achselzuckend, am Rande eines Spielplatzes sitzend, wo seine Enkelin am Freitagvormittag spielt. Sie hat hitzefrei, eine Woche vor den zweimonatigen Sommerferien. „Ich verstehe, dass es eine schwierige Situation für die Krankenhäuser ist. Aber ich glaube nicht, dass Verbote etwas bringen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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