
Rund 3.400 Firmeninsolvenzen gibt es im ersten Halbjahr in Österreich. Für die betroffenen Eigentümer und Mitarbeiter ist jeder Fall zunächst oft mit Unsicherheit ob einer Möglichkeit auf Fortführung des Betriebs verbunden. Ulrich Kallausch sieht mit seinem Team diese Situation als Chance – sowohl für sich als auch die Betroffenen.
Vor zwei Jahren gründete der ehemalige Investmentbanker mit Partnern Pure Investments. „Wir sind auf der Suche nach insolventen Produktionsbetrieben, die einen zukunftsfähigen Kern haben“, sagt Kallausch im KURIER-Gespräch. „Wir sind keine Heuschrecken“, stellt er klar.
Unternehmen würden oft die Zeichen der Zeit hinsichtlich ihrer Produkte nicht erkennen und irgendwann am Markt vorbei produzieren. Eine weitere Finanzierung seitens der Banken sei irgendwann nicht mehr möglich, so Kallausch, und Risikokapitalgeber seien an Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz von nur 20 bis 30 Millionen Euro schlicht nicht interessiert. Mitbewerber wiederum fehle oft das Know-how oder Kapital für eine Übernahme. Und größere Unternehmen wiederum seien zu unbeweglich.
Masseverwalter „Herr des Geschehens“
In diesen Fällen tritt Pure Investments auf den Plan. „Wir wollen frühzeitig mit einem Unternehmen sprechen“, erzählt Kallausch aus der Praxis. „Dabei ist nicht wichtig, was produziert wird, wir müssen nur das Geschäftsmodell verstehen.“ Rund 30 Firmen hätten er und sein Team sich bereits nach Hinweisen von Banken und Anwälten oder nach Medienberichten angesehen, selten gäbe es einen großen Kreis an Interessenten. „Vieles haben wir sofort verworfen, anderes schauen wir uns länger an.“ Bei anhaltendem Interesse hänge viel vom Masseverwalter ab. „Er ist Herr des Geschehens.“
Wichtig sei, dass bei einer Beteiligung die Alt-Geschäftsführer an Bord bleiben. „Sie kennen sich aus und sind nicht zu ersetzen. Wir sind keine Helikopterberater“, sagt Kallausch. Rund 18 Monate benötige eine Beteiligung volle Aufmerksamkeit. „In dieser Zeit sollte der Turnaround und die Restrukturierung gelingen“, sagt Partner Stefan Pölzl, der erst vor einigen Wochen zu Pure Investments gestoßen ist. Der Sohn des früheren Post-Chefs war zuvor u. a. bei Mayr-Melnhof für den Transformationsprozess zuständig. „Transformation ist notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.“
Ziel sei es, so Kallausch, die Anteile drei Jahre zu halten und sich dann auf eine kontrollierende Mehrheit zurückzuziehen. Mehr als vier Beteiligungen zugleich strebt die Gruppe nicht an. An diesen drei Unternehmen hat sie sich beteiligt:
Böhmerwald Fisch: Ende 2024 wurde in Ulrichsberg Österreichs einziger Indoor-Aquakulturanlage für die Zucht von Zander aus einem Konkursverfahren erworben. Die Anlage wurde modernisiert und ein neues Unternehmens- und Vertriebskonzept entwickelt.
Wottle: Vor rund einem Jahr wurde im Rahmen eines Sanierungsverfahrens eine Mehrheitsbeteiligung an der Wottle GmbH, ein in Poysdorf beheimateter Hersteller von Weinpressen, eingegangen. „Das Unternehmen hat lange von seinem guten Ruf profitiert, aber die Eigentümer haben zunehmend nicht mehr die Kompetenzen und finanziellen Mittel gehabt, die Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben“, sagt Kallausch. Die hohe Markenbekanntheit, der umfangreiche Bestand an 4.000 verkauften Maschinen (Servicegeschäft) seien wesentliche Beweggründe für den Einstieg in das 1923 gegründete Familienunternehmen gewesen. Wottle sei bereits wieder profitabel, große Chancen sieht Kallausch in Osteuropa, wo Wein noch ein wachsender Markt sei. „Wir möchten Wottle wieder zu einem Hidden Champion machen “ ergänzt Pölzl.
Hofmann Industrieofenbau: Der oberösterreichische Betrieb musste im Spätsommer des Vorjahres Insolvenz anmelden. Zu Jahreswechsel …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



