
Die Situation ist absurd. Da ist die teilstaatliche OMV maßgeblich an Europas größtem Gasprojekt, Neptun Deep, im Schwarzen Meer vor Rumänien, beteiligt. Trotzdem soll Österreich nicht mit dem günstigen Schwarzmeer-Gas beliefert werden, das ab 2027 gefördert wird.
Außerdem ist die BRUA-Pipeline, die das Gas von Rumänien über Ungarn nach Baumgarten bringen könnte, am letzten Teilstück nicht nutzbar, der KURIER berichtete.
„Überhaupt nicht nachvollziehbar“ ist die Situation für die Energiesprecherin der Neos, Karin Doppelbauer. Sie fordert schon seit Längerem, „dass die OMV endlich dafür sorgt, dass Mengen dieses Gases nach Österreich kommen“. Auch, dass die Pipeline nicht ertüchtigt werde, sei völlig unverständlich. Die Kapazitäten müssten dringend ausgebaut werden.
SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll sieht es ebenfalls kritisch, dass die derzeitigen Pipeline-Kapazitäten in Ungarn unzureichend sind. Er setzt seine Hoffnungen auf den neuen ungarischen Regierungschef Péter Magyar. „Es ist vernünftig, mehrere Lieferanten zu haben. Ungarn hat einen neuen Ministerpräsidenten, und auch bei der OMV wechselt die Führungsetage.“ Die neuen Köpfe könnten, hofft Schroll, „wieder Bewegung in die internationalen Diskussionen bringen“.
Derzeit haben die beiden Projektpartner im Schwarzen Meer aber kein Gas für Österreich vorgesehen. Das Konsortium besteht zu je 50 Prozent aus der staatlichen rumänischen Romgaz und der mehrheitlich börsenotierten OMV-Tochter Petrom mit Sitz in Bukarest.
Bereits seit Bekanntwerden des Projekts hieß es, das Gas sei nicht für Österreich bestimmt. Das dürfte auch mit der mangelnden Beliebtheit Österreichs seit dem Schengen-Disput zu tun haben. Der deutsche Energiekonzern Uniper hat bereits einen Liefervertrag abgeschlossen, der Großteil des Gases soll nach Südosteuropa, Ungarn und in die Ukraine fließen.
Neptun-Gas günstiger
Die OMV habe sich immer wieder geweigert, Kapazitäten für den österreichischen Markt bei Neptun Deep zu buchen. Sie habe bereits mehrere Gespräche dazu geführt, sagt Doppelbauer.
Es gehe darum, die Abhängigkeit vom teuren LNG-Gas und den USA zu verringern. Rumänisches Gas ist wesentlich günstiger, Experten schätzen um 20 Prozent und mehr. „Wenn wir weniger Abhängigkeit wollen, müssen wir die Vorkommen in Europa nutzen – nicht nur in Norwegen, auch in Rumänien.“ Die Preise könnten durch Neptun-Gas stabilisiert werden, was die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie verbessere, die durch die hohen Gastarife massiv gefährdet sei, betont Doppelbauer.
Sie setzt auf die neue OMV-Chefin Emma Delanay, die demnächst Alfred Stern folgt. Sowie auf die Nachfolge von Noch-ÖBAG-Chefin Edith Hlawati. Die Bewerbungsfrist lief wie berichtet am Montag aus, unter den zahlreichen Bewerbern gibt es aber noch keinen validen Favoriten.
Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) setze auf Delanay, hört man aus seinem Umfeld. An ihr liege es, ob und wie Österreich von Neptun Deep durch direkte Lieferungen profitieren könne. „Neptun Deep ist ein zentrales Projekt für den europäischen Energiemarkt und nützt damit auch Österreich. Es stärkt die Resilienz der europäischen Versorgung, diversifiziert die Bezugsquellen, erhöht die am Markt befindliche Gasmenge erheblich und wird daher zu positiven Effekten am Energiemarkt führen – von denen auch Österreich profitiert. Das ist im Interesse Österreichs und entspricht damit auch der klaren Ausrichtung der Beteiligungen der Republik im Sinne der ÖBAG Strategie“, heißt es dazu im Wirtschaftsministerium.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



