
Nun ist es amtlich: „Die vergangenen zwölf Monate werden als die trockensten seit Messbeginn im Jahr 1850 in die Geschichte eingehen“, bilanziert Klaus Haslinger von der GeoSphere Austria auf Basis der österreichweiten Langzeitreihe. Für den Osten liegen flächendeckende Daten erst ab 1961 vor – und auch dort ist der Befund eindeutig: „Seit 23. Februar 2026 herrscht in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ein nahezu durchgehendes Niederschlagsdefizit“, sagt Klimatologe Peter Müller.
Die Folgen sind bekannt, die Hagelversicherung schätzt den bisherigen Schaden auf zumindest eine Milliarde Euro, wovon nur 400 Millionen Euro versichert sind. Vergangenen Freitag fand im Landwirtschaftsministerium der erste koalitionäre Gipfel um die Dürrehilfe für die Bauern statt – Einigung gab es keine.
Dem Vernehmen nach forderte Landwirtschaftsminister Totschnig rund 250 Millionen an frischem Geld aus dem Budget – da nach vier Sparbudgets kein Geld zum Umschichten innerhalb seines Ressorts mehr vorhanden sei. Der Minister pocht auf rasch wirksame Liquiditätshilfen wie eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge für Bauern sowie begünstigte Betriebsmittelkredite (siehe Artikel rechts). In einem normalen Jahr würden die Bauern mit dem Gewinn aus ihrer Ernte nun Saatgut kaufen – doch bei Ernteeinbußen von 20 bis 50 Prozent geht das kaum.
Die andere Frage ist, ob auch Landwirte, die sich nicht gegen Dürre oder Hochwasser versichert haben, staatliche Unterstützung bekommen sollen – für den ÖVP-Bauernbund ein klares Ja, SPÖ und Neos sehen das kritisch und fragen sich, warum sich in Zukunft überhaupt noch Landwirte versichern sollten. Gleichzeitig fordern die Koalitionspartner eine Finanzierung der Hilfen durch Umschichtungen im Agrarressort.
Junktim Klimagesetz
Die SPÖ verknüpft ihre Zustimmung zu frischem Geld für die Bauern mit einem zweiten Thema: dem Klimagesetz, das seit 2019 ausständig ist. Laut Koalitionsabkommen soll dieses unter anderem einen Klimafahrplan entlang des Ziels der Klimaneutralität 2040 beinhalten.
Tatsächlich hat Totschnig dem Koalitionspartner vor dem Sommer einen dritten Entwurf übermittelt. Dieser wurde erneut als unzureichend zurückgewiesen. Totschnig scheiterte bisher an einem ambitionierteren Klimagesetz wegen partei-interner Widerstände durch Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung. Diese warnen davor, dass Österreich „im innereuropäischen und internationalen Standortwettbewerb“ weiter zurückfallen könnte, sollte Klimaneutralität bereits 2040 gesetzlich verankert werden. Vielmehr sollte sich Österreich für das EU-Zieljahr 2050 einsetzen.
Dem Vernehmen nach vermittelte am Montag auch Kanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker in dem Streit. Ein Termin für weitere Regierungsgespräche stand am Abend dennoch nicht fest.
Dabei drängt die Zeit, die Dürre soll vielen Landwirten (nicht nur im Nebenerwerb) derart zugesetzt haben, dass sie ganz aufhören wollen.
Was nicht zuletzt die Frage des Selbstversorgungsgrades bei Lebensmitteln aufwirft – wie viel des Lebensmittelbedarfs hierzulande könnte aus österreichischer Produktion gedeckt werden?
Dieser ist laut Agrarministerium besonders hoch bei Milch (177 Prozent) und Fleisch (107 Prozent), unterversorgt ist Österreich dagegen bei Eiern (87 Prozent) und Fisch (acht Prozent). Der Selbstversorgungsgrad für Getreide liegt bei 90 Prozent, bei Erdäpfel bei 78 Prozent, bei Gemüse bei 55 Prozent und bei Obst (Südfrüchte) nur bei 33 Prozent.
Angesichts von Ernteeinbußen zwischen 20 und 50 Prozent dürften die Werte für 2026 deutlich niedriger ausfallen.
Source:: Kurier.at – Politik



