OGM-Umfrage: Was sich die Österreicher von Magyars Wahlerfolg erhoffen

Politik

Die Wahlbeteiligung war historisch (79,5 Prozent), der Erfolg für Herausforderer Péter Magyar und die Niederlage für Viktor Orbán nicht minder bemerkenswert. Die oppositionelle Tisza-Partei von Magyar holt auf Anhieb 53,07 Prozent der Stimmen und beendet damit die 16 Jahre andauernde Ära von Fidesz‘- und Regierungschef Orbán (38,43 Prozent). 

Der Machtwechsel in Österreichs Nachbarland Ungarn wird von der Mehrheit der österreichischen Wahlberechtigten begrüßt, geht es nach einer aktuellen OGM-Umfrage (928 Befragte wahlberechtigte Österreicher ab 16 Jahren/Schwankungsbreite +/- 3,2 Prozent). 

72 Prozent „begrüßen das Ergebnis“ – 14 Prozent lehnen das Votum ab. Besonders stark ist die Ablehnung im Parteienvergleich bei der FPÖ. Während 97 Prozent der deklarierten SPÖ- und Grünwähler das Ergebnis in Ungarn befürworten, 96 Prozent der pinken Parteigänger und 85 Prozent der ÖVP-Wähler Magyars-Erfolg gut finden, sind es bei der größten im Parlament vertretenen Partei in Relation nur 33 Prozent. 

41 Prozent der FPÖ-Wähler lehnen das Ergebnis ab. „Damit ist die FPÖ die einzige Partei, deren Anhänger mehrheitlich negativ reagieren und zugleich ist der Anteil positiver Bewertungen überraschend hoch“, sagt OGM-Politologe Reinhard Heinisch. „Ein signifikanter Teil folgt nicht mehr automatisch dem traditionellen Orbán-Narrativ der Partei.“ Zur Erinnerung, wie nah die Fidesz und die FPÖ einander sind: Im Oktober 2024 unterschreiben Orbán und FPÖ-Chef Herbert Kickl die „Wiener Erklärung“.

In der Erklärung wird die „nachbarschaftliche Freundschaft“ bekräftigt „sowie ihre geschichtlich und kulturell bedingte unerschütterliche Verbundenheit. Daraus begründen wir auch unseren gemeinsamen Willen, als Achse einer positiven Reform die Vielfalt unseres wundervollen europäischen Kontinentes zu bewahren und gedeihlich weiterzuentwickeln“.

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Die Achse gibt es nun durch Orbáns Abwahl nicht mehr – und auch die Zustimmung der blauen Wähler zum Pro-Orbán-Kurs der FPÖ scheint damit abzuebben.

Der Erfolg der Tisza-Partei wird nach Dafürhalten der Befragten besonders Europa viele Vorteile bringen (70 Prozent) und kaum bis keine Nachteile (13 Prozent). Auch die Ukraine wird nach Meinung der Mehrheit vom Wechsel an der Spitze Ungarns profitieren (66 Prozent). Weit weniger darf sich im Vergleich dazu Österreich erhoffen.

48 Prozent geben an, dass Österreich von dem politischen Kurswechsel profitieren wird, 10 Prozent sehen eher Nachteile und 30 Prozent erst gar keine Auswirkungen. Geht es nach Parteipräferenzen so gehen vor allem FPÖ-Wähler davon aus, dass sich unter Magyar nicht viel ändern wird (51 Prozent keine Auswirkungen). Gänzlich anderer Ansicht sind die Neos-Wähler, die fast nur von Vorteilen ausgehen (80 Prozent).

„Wir sehen deutliche Hinweise auf Dealignment und fragmentierte Loyalitäten, also auf ein partielles Abweichen von klar vorgegebenen ideologischen Linien. FPÖ‑Wähler folgen geopolitischen Deutungen nicht mehr strikt entlang parteipolitischer Vorgaben, sondern bewerten politische Entwicklungen auch situativ, etwa im Kontext des Ukrainekriegs oder der europäischen Stabilität. Dieses Muster entspricht einem gewissen Dealignment‑Effekt“, so Heinisch.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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