
Es hatte nur ein paar Minuten gedauert, dann postete US-Präsident Donald Trump „DANKE“. Die Nachricht galt der Führung im Iran, die unmittelbar zuvor verkündet hatte: Die Meerenge von Hormus sei für die verbleibende Dauer des zehn Tage geltenden Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon „völlig geöffnet“, wie der iranische Außenminister Abbas Araghchi sagte.
Die weltweite Erleichterung über diese Ankündigung setzte sofort ein, binnen Minuten sank der Ölpreis um fast zehn Prozent. Seit sechs Wochen, seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den islamischen Gottesstaat war die zweitwichtigste Seestraße der Welt blockiert. Über sie wurde bis Ende Februar ein Fünftel der weltweiten Öltransporte geliefert, an die 140 Schiffe passierten vor dem Krieg jeden Tag die Meerenge. Die geografische Lage der Seestraße ermöglichte es den iranischen Revolutionsgarden, die Blockade während des gesamten Krieges als schmerzhaftes Druckmittel einzusetzen. An die 200 Schiffe mit insgesamt rund 20.000 Seeleuten an Bord saßen fest.
Möglich wurde diese plötzliche Konzession Teherans, nachdem Israel unter massivem Druck der USA am Donnerstag in einen Waffenstillstand gegenüber dem Libanon eingewilligt hatte (siehe unten). Erreicht wurde diese erste Deeskalation im Iran-Krieg aber auch durch die Vermittlung Pakistans.
Eine erste Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad war vergangenes Wochenende noch gescheitert. Die USA hatten daraufhin sogar damit begonnen, ihrerseits die Straße von Hormus für alle Schiffe zu sperren.
Nun aber, nach dem ersten Entgegenkommen Teherans, könnten demnächst neue Gesprächsrunden zwischen den USA und dem Iran – erneut unter pakistanischer Vermittlung – anlaufen.
Waffenruhe verlängern
Erster Zielpunkt dabei: die Verlängerung der am 22. April auslaufenden Waffenruhe zwischen den USA bzw. Israel und dem Iran. Mehr als 17.000 Ziele im Iran hatten die USA und Israel angegriffen und meist zerstört, an die 2.000 Zivilisten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Die Kosten für den Wiederaufbau im Iran werden bisher auf rund 270 Milliarden Euro geschätzt.
Der Iran hat seinerseits nicht nur Israel angegriffen, sondern auch energiesensible Ziele in den arabischen Golf- und Nachbarstaaten. Zwischenzeitlich hatte dies zu einem völligen Zusammenbruch des Flugverkehrs über die Nahost-Drehscheiben Doha und Dubai geführt. Besonders in Asien kam es teilweise zu drastischer Öl- und Energieknappheit.
Streitpunkt Atomwaffen
Können sich US-Präsident Trump und die Führung im Iran auf eine Verlängerung der Waffenruhe einigen, liegt noch ein gewaltiger Verhandlungsbrocken vor ihnen: die Atompolitik des Iran.
„Die USA streben weiterhin den Maximalismus an, nämlich die vollständige Abschaffung der Urananreicherung durch den Iran. Aber die Iraner wehren sich nach wie vor vehement gegen dieses Konzept“, schildert Ali Vaez, Direktor des Iran-Projekts der International Crisis Group gegenüber dem Sender CNN.
Rund 440 Kilogramm hochangereichertes Uran dürften unter tonnenschweren Trümmern tief unter der Erde in iranischen Atomanlagen gelagert sein.
Vor einem möglichen Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran muss geklärt werden, ob das angereicherte Uran nie wieder gehoben oder außer Landes geschafft wird. Für die USA und Israel steht jedenfalls fest: Der Iran darf niemals Atomwaffen besitzen.
Ein erster Schritt ist gesetzt, aber die Hürden bis zu einem endgültigen Schweigen der Waffen sind noch zahlreich: So besteht etwa US-Präsident Trump darauf, dass die amerikanische Seeblockade gegen Schiffe mit iranischem Öl so …read more
Source:: Kurier.at – Politik



