„Die Quelle“: Sympathisches Märchen über den Sieg der Recherche

Kultur

Calle Fuhr ist zurück in Wien. Am Volkstheater beziehungsweise für jenes in den Bezirken hatte der Düsseldorfer unter der Direktion Kay Voges bis 2024 zusammen mit dem Team von Ashwien Sankholkars Recherchemedium Dossier respektable Erklärstücke realisiert – u. a. über Toni Sailer und René Benko. Nun brachte er im Meidlinger Theater am Werk „Die Quelle“ zur Uraufführung – wieder, wie schon in „Heldenplätze“, mit Gerti Drassl in der Hauptrolle.

Seine neue Arbeit ist aber kein postdramatisches Doku-Theater, sondern ein echtes Well-made-Play nach US-Zuschnitt mit gehörig Thrillerpotenzial, basierend auf realen Ereignissen, aber gekonnt zugespitzt, fiktionalisiert und ziemlich packend erzählt: Ein junger Journalist namens Rasmus Eriksen, der voll Idealismus für ein kleines Online-Medium arbeitet, geht auf Konfrontationskurs mit einem Energielieferanten, der ein Leck in der Erdgaspipeline – das ausgetretene Methan hat bereits niederösterreichischen Kühen das Leben gekostet – zu vertuschen versucht. Denn er mutmaßt Schwarzgeldzahlungen nach Saudi-Arabien im großen Stil.

Übelste Methoden

Seine Gegenspielerin ist die toughe Pressesprecherin des OMV-artigen Unternehmens, das seine für die Kundschaft eher suboptimale Optimal-Formel promotet. Weil sie doch so etwas wie Anstand hat, wird sie zur Informantin, also zur Quelle. In der Chefetage liegen alsbald die Nerven blank: Der Slimfit-CEO heuert die diabolische Agentur Perseus an, die den kecken Journalisten mit übelsten Methoden vernichten soll. Nebenbei geht man mit brutalen Verhörmethoden und Erpressung gegen einen seit Jahrzehnten loyalen Mitarbeiter vor.

En passant erfährt man einiges über die machiavellistische Medienarbeit: Ganz kann Calle Fuhr seinen Hang zur Aufklärung doch nicht verbergen (auch wenn er die subtilsten Tricks der Einflussnahme nicht einmal erwähnt). Das Schicksal wendet sich mehrfach – und zum Schluss siegt das Gute.

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Während der zweieinhalb Stunden (mit Pause) denkt man immer wieder an den Film „Die Unbestechlichen“ mit Robert Redford über den Watergate-Skandal, aber auch an die Serie „Lou Grant“ aus den späten 70er-Jahren. Als Plakatmotiv verwendete das Theater am Werk schließlich den grünen Hörer eines Tastentelefons.

Und man findet in der tourneetauglichen Umsetzung von „Die Quelle“ (es braucht nicht viel mehr als Tische und Alu-Jalousien) so manches Klischee von damals: In der Redaktion wird Melitta-Kaffee getrunken, in der Vorstandsetage Whiskey aus der Kristallflasche. Der Rasmus-Redford ist verbal brillant, die Kollegin vom gekauften Wirtschaftsmagazin eine dumme Nuss.

Die Bösen (Dennis Cubić als CEO-Kotzbrocken und Kaspar Locher als Mephisto-Gesell) sind zudem nichts als böse, böse, böse. Aber, das muss man Calle Fuhr zugutehalten: Die Guten sind nicht nur gut. Der Rasmus Eriksen des Johannes Nussbaum ist ein eitler Selbstdarsteller, und die Louise Rieker der umwerfend nervöser werdenden Gerti Drassl hat mit Sponsoring-Geldern ihrer Lebenspartnerin (mit viel Herz: Violetta Zupančič) eine Ausstellung in der Pinakothek erkauft. Soll ja schon vorgekommen sein.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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