Julian Prégardien mit dem RSO: Edle Liedkunst und spannende Orchesterkultur

Kultur

von Helmut Christian Mayer

„Ich bin der Welt abhanden gekommen“: Sehnsuchtsvoll erklang das tiefempfundene Thema zuerst in der Oboe, während es Harfe und gedämpfte Streicher einfühlsam untermalten. Dann setzte die Stimme ein: Mit zarten Piani, inniger Phrasierung und edelster Liedkunst, nur ganz selten nicht ganz textverständlich, erklang den ganzen Abend der reich gefärbte Tenor: Julian Prégardien, diese Saison Porträtkünstler des Hauses, sang die melancholischen „Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert“ von Gustav Mahler im Wiener Konzerthaus eindrucksvoll. 

Besonders dieses Schlusslied, aber auch „Liebst du um Schönheit“, die innige Liebeserklärung des Komponisten an seine Frau Alma, faszinierten. Auch deshalb, weil ihm das ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister einen empfindsam gesponnenen, nur ganz selten etwas die Stimme zudeckenden Klangteppich zu Füßen legten.

Davor und danach wurden zwei kurze Werke der 2023 verstorbenen finnischen Komponistin Saija Kaariaho als ÖEA, „Songs for Betty” und “Lumière et pesanteur”, als bildhafte, suggestive Klanggeflechte mit wiederkehrenden Motiven ideal interpretiert.

Wie in einer Prozession glaubte man dann, zu festlichem Blech, Glockengeläute und einem Holzbläser-Choral selbst durch „Das große Tor von Kiew“ zu schreiten. Aber nicht nur feierlich – pompös wie das Finale sind Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, sondern auch ungemein raffiniert und abwechslungsreich, vor allem durch die kongeniale Orchestrierung von Maurice Ravel: Mit feinsinnigen, aber auch kraftvollen Gesten vermochte der deutsche Dirigent, das Orchester zu enormer Dynamik und Spannung, Durchhörbarkeit, vielen Schattierungen sowie tollen solistischen Leistungen zu animieren. Die zehn, musikalisch beschriebenen Bilder, faszinierten mit teils wilder Expressivität bezauberten aber auch mit feiner Zartheit. Großer Jubel!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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