
Caroline List war präsent, ohne wirklich da zu sein: Wieder und immer wieder wurde im Pilnacek-Untersuchungsausschuss über die amtierende Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts gesprochen, zumeist skeptisch bis schnippisch. Der Grund: Als Ehefrau des verstorbenen Sektionschefs Christian Pilnacek hat List dessen Mobiltelefon ausgehändigt bekommen, noch bevor die Obduktion des Leichnams abgeschlossen war. Ein Umstand, der die Abgeordneten gehörig irritiert. Und sie hat das Gerät später mit einem Bunsenbrenner vernichtet. Rechtlich war das in Ordnung, der Anschein freilich ist ein anderes Thema.
Warum List sich so verhalten hat, das wird die Richterin am 7. Mai im Parlament erklären bzw. erklären müssen. Denn laut einer dem KURIER vorliegenden vorläufigen Ladungsliste ist Pilnaceks Witwe an diesem Tag als erste Auskunftsperson ins Hohe Haus geladen.
Abgesehen davon, dass Caroline List mit Christian Pilnacek ihren Ehemann verloren hat, ist die Causa auch aus anderen Gründen sensibel – sie ging zuletzt auffällig ins Private.
So wollte List der im U-Ausschuss bereits aufgetretenen Karin Wurm jüngst gerichtlich verbieten lassen, sich als „neue Frau“ an Pilnaceks Seite zu bezeichnen. Ein Vorhaben, das vor kurzem im Landesgericht Krems vorläufig gescheitert ist. Lists Forderung einer „einstweiligen Verfügung“ wurde nicht entsprochen.
Tatsache ist, dass Christian Pilnacek und Karin Wurm bis kurz vor dem Tod des Sektionschefs den Kauf einer Immobilie in Rossatzbach geplant haben; noch am Todestag war Wurm in dem Haus, wie dessen damaliger Besitzer ausgesagt hat (Details siehe hier).
Polizisten und Staatsanwälte
Am Tag vor Lists Befragung sind einmal mehr Polizisten in den U-Ausschuss geladen. Einer davon ist ein hochrangiger Ermittler im Landeskriminalamt und soll Erhellendes zu Pilnaceks Handy aussagen – und warum die Polizei das Gerät so schnell an die Witwe übergeben hat.
Und am 12. und 13. Mai sind schließlich Mitarbeiter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie der Oberstaatsanwaltschaft Wien und der Kremser Staatsanwaltschaft geladen, um ihre Sicht auf die Ermittlungsarbeit im Zusammenhang mit Pilnaceks Tod sowie dem Umgang mit Handy, Laptop und Smartwatch zu schildern.
Source:: Kurier.at – Politik



