Filmfestival Crossing Europe startet: Kriege, Klima und Familie

Kultur

Am Dienstagabend wird das Filmfestival Crossing Europe in Linz eröffnet. Bis 3. Mai ist ein Panoptikum des europäischen Filmschaffens zu sehen. Familiengeschichten, aber auch die Themen Klima und Ukrainekrieg haben die europäischen Regisseurinnen und Regisseure stark beschäftigt. Das Tribute blickt 40 Jahre zurück und widmet sich heuer dem Film der 1980er-Jahre. Insgesamt werden 133 Filme im City Kino, dem Moviemento und dem Central gezeigt.

Zahlreiche Werke im Programm befassen sich mit dem Thema Familie. In „White Lies“ etwa arbeitet die italienische Filmemacherin Alba Zari ihre Kindheit in der Sekte „Children of God“ in Thailand auf, der sich ihre Familie angeschlossen hatte. Der slowakisch-tschechisch-polnische Film „Otec“ („Father“) von Tereza Nvotová basiert auf einer wahren Geschichte: Ein Vater vergisst sein Baby im Auto und es stirbt den Hitzetod. Es geht darum, wie sich diese Tragödie auf das Leben der Familie auswirkt. Der niederländisch-deutsche Spielfilm „Donkey Days“ von Rosanne Pel dreht sich rund um eine dysfunktionale Familie und Massimiliano Battistellas Dokumentation „Dom“ begleitet eine junge Frau in jenes bosnische Waisenhaus, in dem sie bis 1992 aufwuchs.

Politisch gelesener ungarischer Psychothriller in der Nachtsicht

Daniela Magnani Hüller hat als Teenager einen Femizidversuch überlebt. In ihrem Film „Was an Empfindsamkeit bleibt“ arbeitet sie das Erlebte auf, indem sie Menschen, die damals damit zu tun hatten – eine Polizistin, Schüler, Lehrer, Sanitäter – zu ihrer heutigen Sicht befragt. Um Gewalt- bzw. Missbrauchserfahrungen von Kindern geht es auch im belgischen Spielfilm „On vous croit“ („We believe you“) von Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys, in dem ausgehend von einem augenscheinlich 08/15-Sorgerechtsstreit furchtbare Dinge ans Tageslicht kommen.

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Ein Highlight der Nachtsicht ist Gábor Holtais Psychothriller „Itt érzem magam otthon/Feels like home“: Rita wird gekidnappt und findet sich gefesselt in einem spärlich eingerichteten Raum wieder. Ihr Entführer redet ihr ein, sie sei seine davongelaufene Schwester und zwingt sie, sich in die Familie einzugliedern. Sie ordnet sich unter, um ein bisschen Freiheit zu bekommen – die sich dann als recht kafkaesk herausstellt. Der Film wurde in Ungarn als bissige Autokratie-Kritik aufgefasst und wohl auch deshalb in der Vorwahlzeit zum Publikumshit.

Von den 1980ern zum Klimawandel

Der 1980er-Schwerpunkt richtet den Blick besonders auf die europäischen Mittelschicht-Milieus jener Zeit und hat eine feministische Perspektive. Neben Chantal Akermans Musicalkomödie „Golden Eighties“ aus dem Jahr 1986, Christian Schochers semidokumentarischem Kultfilm „Reisender Krieger Director’s Cut“ und Menelik Shabazz‘ Klassiker des Black British Cinema „Burning an Illusion“ ist auch der Gerichtsthriller „In de Stilte Rond Christine M.“ zu sehen. Es ist der Debütfilm der späteren niederländischen Oscar-Preisträgerin Marleen Gorris („Antonias Welt“, 1996).

Mehrere Filme widmen sich auch heuer wieder dem Thema Klima. Die Satire „18 Buracos para o Paraíso“ („18 holes to paradise“) von João Nuno Pinto spielt in Portugal, wo eine Familie entscheiden muss, ob sie das Anwesen des verstorbenen Vaters einem Tourismuskonzern überlässt oder nicht. „Weißer Rauch über Schwarze Pumpe“ zeigt den Strukturwandel in der brandenburgischen Lausitz, dem ehemaligen „Energiedreieck“ in der DDR. In Jacqueline Zünds Spielfilm „Don’t let the sun“ muss sich die Menschheit mit den Folgen der immer schlimmer werdenden Hitze herumschlagen, was auch die sozialen Kontakte stark beeinträchtigt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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