
Es braucht nur ein paar Klicks und schon landet man im Online-Überangebot. Hundewelpen und kleine Kätzchen, vor allem angeblich edle Rassen oder spezielle Züchtungen, werden überall im Internet und auf Online-Verkaufsplattformen angeboten. Die Preise wirken verlockend, die Herkunft eher nicht. Online-Tierhandel ist ein riesiges Geschäft, rund zwei Drittel aller Haustiere werden inzwischen auf diese Weise verkauft. Oft im Spiel sind dabei sogenannte „Welpenfabriken“ in Österreichs östlichen Nachbarländern.
Die EU will das Problem – wie auch Tierschützer – endlich in den Griff bekommen. Während bei den Nutztieren die Interessen der Agrarriesen im Weg standen, hat es der Schutz von Hunden und Katzen jetzt endgültig durch die EU-Institutionen geschafft. Mit der formalen Absegnung durch das EU-Parlament am Dienstag kann die neue EU-Verordnung an den Start gehen.
Ein ordentlich dicker Zeitpolster
Kernpunkt ist eine Chip-Pflicht für Hunde und Katzen. Allerdings gibt es einen sehr bequemen Zeitpolster für alle Hunde- und Katzenbesitzer: In frühestens zwei Jahren muss das Gesetz in allen EU-Staaten umgesetzt sein. Danach gilt noch eine Übergangsfrist von voraussichtlich zehn Jahren für Hunde und 15 Jahren für Katzen. Danach soll die Chip-Pflicht – für Hunde gibt es sie in Österreich ohnehin seit Langem – EU-weit gelten.
Über Grenzen nur mit Chip
Das wird vor allem schlagend, wenn die Tiere über EU-Binnengrenzen hinweg transportiert werden. Egal, ob das Tier nun gehandelt oder auf eine Urlaubsreise mitgenommen wird, ein Chip ist von da an Pflicht.
Aber auch für die Zucht und den Verkauf sollen erstmals klare und einheitliche Regeln eingeführt werden. Am wichtigsten ist den EU-Behörden dabei, dass sich die Herkunft nicht länger verschleiern lässt.
Woher die Tiere kommen, soll sich genau zurückverfolgen lassen. Dadurch soll der illegale Handel mit Welpen eingedämmt werden.
„Damit wird es leichter, kriminelle Strukturen zurückzudrängen und Tiere vor schwerem Leid zu schützen“, erklärte der deutsche EU-Parlamentarier und Tierschutzexperte Peter Liese. Laut dem CDU-Politiker geht es um „klare Anforderungen an Gesundheit, Hygiene, Unterbringung, Ernährung, Bewegung und soziale Kontakte.“
Anders als es Tierschützer fordern, sollen Online-Verkäufe nicht verboten, aber besser kontrolliert werden. Anbieter müssen eindeutig identifizierbar sein.
Für langwierige Debatten sorgten die sogenannten „Bauernhofkatzen“ jene Tiere also, die weitgehend wild auf Bauernhöfen leben und dort auch privat weitergegeben werden. Sie sind auch in Zukunft von der Chip-Pflicht und den Züchtervorschriften ausgenommen. Wer also nicht öfter als alle 18 Monate ein Kätzchen aus einem Wurf an den Nachbarn weitergibt, muss sich um die neuen Regeln für Tierzüchter nicht kümmern. EU-Bauernvertreter hatten sich besorgt gezeigt, dass auf sie wieder einmal mehr Bürokratie und neue Kosten zukommen würden.
Source:: Kurier.at – Politik



