Gipfelstürmerin im Motivationsloch: „Es ist eintöniger geworden“

Sport

Es braucht nicht viel, um einen Kletterer aus dem Tritt zu bringen. Mitunter reicht schon ein kleiner Schnitt im Finger und das Kraxeln wird zur Tortur. 

Und wehe es nistet sich eine hartnäckige Entzündung in einem Fingergelenk ein, wie es Jessica Pilz in der letzten Saison widerfahren ist. Andere Sportler mögen über solche Wehwehchen lachen, aber bei einem Kletterer, dessen wichtigstes Werkzeug nun einmal die Hände sind, steht plötzlich sogar die Karriere auf dem Spiel.

Schlimmer Finger

„Ich habe sehr mit meiner Fingerverletzung gehadert. Vor allem mental“, gibt Jessica Pilz zu. Die langwierige Entzündung im Mittelfinger der rechten Hand hat sich zwar gelegt, doch die Sorge vor falschen Bewegungen und Schmerzen sind geblieben. „Ich habe mich in der Vorbereitung nicht getraut, voll in die Belastung zu gehen. Darunter hat das Training gelitten.“

Alter Hase

Der Weltcupauftakt in einer Woche in China kommt zu früh für die Olympia-Dritte von Paris 2024. Die 29-Jährige muss sich deshalb im ersten Lead-Bewerb der Saison vor allem auf ihre Erfahrung verlassen. „Ich bin jetzt doch schon ein alter Hase.“

Die vielen Jahre als Profiklettererin – Jessica Pilz wurde 2015 Europameisterin – fordern auch ihren Tribut: Nicht nur der beleidigte Mittelfinger („er ist jetzt steifer und nicht mehr so sensibel“) bereitet der Niederösterreicherin immer wieder Kopfzerbrechen, Pilz schlägt sich auch mit Motivationsproblemen herum, wie sie am Dienstag offen zugab.

Große Abräumerin

„Es ist eintöniger geworden. Ich merke halt, dass ich schon lange dabei bin“, erklärt die 29-Jährige. Inzwischen sind ihr auch die großen Karriereziele ausgegangen, weil sie im Sportklettern alle Gipfelsiege gefeiert hat, die sie feiern wollte:

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Mit Doppelgold bei der Heim-WM in Innsbruck, dem Triumph bei den World Games, dem Sieg im Gesamtweltcup. Vor allem aber mit der ersehnten Olympia-Medaille 2024 in Paris.

„Ich habe schon viel erreicht. Da ist es dann schwierig, noch etwas draufzusetzen“, weiß Jessica Pilz. Mit den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles, wo erstmals Medaillen in ihrer Paradedisziplin Lead vergeben werden, kann man die Niederösterreicherin jedenfalls nicht locken. „Ich tu’ mich im Moment sehr schwer, bis nach L.A. zu schauen.“

Suche nach dem Spaß

Jessica Pilz verfolgt vielmehr das Prinzip der kleinen Tritte, die sie im Idealfall irgendwann wieder zurück in lichte Höhen bringen sollen. „Natürlich ist es mein Ziel, wieder dorthin zu kommen, wo ich einmal war. An die Spitze“, sagt die zweifache Weltmeisterin. „Aber eigentlich geht es mir grad eher darum, wieder Spaß an dem Ganzen zu finden.“

Energiebündel Schubert

Über fehlende Energie und Motivation kann Jakob Schubert nicht klagen. Der Rekordweltmeister (6 Goldmedaillen) muss in seinem Tatendrang sogar gebremst werden, weil er mit seinen 35 Jahren immer noch trainiert wie ein Jungspund. „Mich muss man eher zügeln, weil ich oft im Training zu viel mache.“

Fels-Abenteuer

Dafür nimmt sich der zweifache Olympiasieger in dieser Saison bewusst zurück und wird nur ausgewählte Wettkämpfe bestreiten: Die Weltcups in Innsbruck und Chamonix sowie die EM.

Nicht etwa, weil der Tiroler Routinier mit seinen Kräften haushalten müsste – es gibt vermutlich keinen fitteren Kletterer als Schubert – vielmehr will sich der beste Kletterer der Geschichte in diesem Jahr anderen Projekten widmen: 

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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