
Mit einem Schätzwert von 20-30 Millionen britischer Pfund (rund 23-34 Millionen Euro) ist das Gemälde etwas bescheidener angesetzt als das „Bildnis Elisabeth Lederer“, das im November des Vorjahres mit einem Erlös von 236 Millionen US-Dollar Auktionsgeschichte schrieb. Aber prominent und gefragt ist das „Bildnis Gertrud Löw (Felsövanyi)“ aus dem Jahr 1902, das am 24. Juni 2026 bei Sotheby’s in London zur Auktion kommt, gewiss auch – nicht zuletzt aufgrund seiner illustren Vorgeschichte in Wien.
Der derzeitige Besitzer ist der britische Unternehmer Joe Lewis, der am Finanzsektor aktiv ist und als einer der reichsten Briten gilt. Er ist auch Haupteigentümer des Fußballclubs Tottenham Hotspur und der Yacht Aviva, die als eines der größten Boote seiner Art gilt. Dort soll er auch Teile seiner Kunstsammlung gehortet haben, die nun zur Auktion gelangt.
Neben dem „Bildnis Gertrud Loew“ gehört dazu auch das – von Klimt beeinflusste – Bild der „Danaë“ von Egon Schiele (1912, Schätzwert 12-18 Mio Pfund / 14-20 Millionen Euro) und eine Reihe hochkarätiger Werke von Größen wie Francis Bacon, Pablo Picasso oder Lucian Freud. Der Gesamtwert der Sammlung, die in mehreren Tranchen zur Auktion kommt, wird auf 150 Millionen Pfund (173 Mio. Euro) geschätzt. Sotheby“s spricht von der wertvollsten Einzelsammlung, die je in Großbritannien auktioniert wurde.
Das „Bildnis Gertrud Loew“ erwarb Lewis 2015 um 34,7 Millionen Euro (Hammerpreis: 22 Millionen Pfund). Die Vorgeschichte wurde in Wien zuvor mit Interesse aufgearbeitet: Das Bild hatte sich nämlich jahrzehntelang im Besitz von Ursula Ucicky befunden, der Witwe des Regisseurs Gustav Ucicky (1899-1961). Der uneheliche Sohn von Gustav Klimt machte sich in der NS-Zeit u. a. als Schöpfer des Propagandafilms „Heimkehr“ einen zweifelhaften Namen. Außerdem profilierte er sich als Klimt-Sammler und profitierte dabei auch von den Enteignungen jüdischer Sammler durch die Nazis – so auch im Fall des „Bildnis Gertrud Loew“, das 1942 in Ucickys Besitz kam.
Als 2013 die Wiener „Klimt Foundation“ auf Basis der Ucicky-Sammlung gegründet wurde, ließ man die Herkunftsgeschichte nochmal überprüfen – und einigte sich in der Folge mit den Erben; die Erlössumme der Auktion wurde zwischen Stiftung und Anspruchsberechtigten geteilt. Das Bild ist damit nun „unbelastet“ – und man darf annehmen, dass Lewis auf einen durchaus höheren Preis spekuliert als jenen, der vor 10 Jahren bezahlt wurde.
Source:: Kurier.at – Kultur



