Auftakt zum Donaufestival in Krems: Die Hoffenden müssen verrückt sein

Kultur

Es ist wieder diese Jahreszeit, wenn in Krems die Fahrradausflügler, die schicken Weintouristen und die Performance-Crowd an zwei Wochenenden gemeinsam die Gassen füllen; jede Teilpopulation davon in ihre je eigenen Uniformen.

Man weiß nicht, welche Montur der drei Gruppen die optisch lustigste ist. Man weiß aber, welche Interessensgemeinschaft es am schwersten hat: es ist die Kunsttruppe. Denn es ist eine verrückte Welt, sangen weiland schon Tears for Fears, und recht hatten sie. Und es ist ähnlich um die Hoffnung bestellt, wie das Donaufestival heuer in seinem Motto vermerkt: „Mad Hope“, verrückte Hoffnung, übertitelt es sich. Man schaut also in allerlei Programmpunkten gemeinsam dorthin, wo Hoffnung nur jener in sich trägt, der eventuell nicht ganz bei Sinnen ist. Kein leichtes Unterfangen, so emotional gesehen.

Ausgang Nichts

Womit man bei Exit Void wäre. Das ist ein neues Bandprojekt mit unter anderem Anja Plaschg, die sich als Soap & Skin konsequent auf der tiefdunkelsten Seite der Austromusik bewegt. Dementsprechend gestimmt war nun der Auftritt im Stadtsaal: Es klang das alles, als ob die frühen Radiohead wirklich, wirklich schlecht geschlafen hätten. Düsteres Wummern, elektrisches Britzeln, und wenn man sehr sehr traurig ist, steht man halt umso länger auf einem Akkord herum, bis man genug Energie hat, auf den nächsten zu wechseln.

Die Band saß dabei im Kreis, in der Mitte entsprang ein Lichtfluss, der nach oben wuselte. Schweren Herzens verfolgte man die Soundskulptur rund um das Generalthema Traurigkeit. Es wirkte, wie es sollte: Es war schwärzer als schwarz.

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Wie es so ist, wenn man toter als tot ist, kann man dafür in der Kunsthalle Krems erkunden: Dort ist im Rahmen des Donaufestivals (und lange darüber hinaus, nämlich bis 1. November) die Videoinstallation „deader than dead“ von Ligia Lewis zu sehen. Die fängt gleich einmal mit Macbeths Todesmonolog an, und wird dann auch nicht heiterer: Vier Tänzerinnen und Tänzer, für die für immer Corona-Maskenpflicht herrscht (die Choreografie entstand 2020), führen ein sich wiederholendes Bewegungslamento auf, zugleich distanziert und bedrohlich. Wummernde Beats und alte Musik greifen ineinander, und auch wenn das gesprochene bzw. gesungene Wort wirklich schwer zu verstehen ist, ahnt man den Rassismusbezug. 

Zu dem schloss sich gegen Ende des ersten Festivaltags der Kreis: Julian Warner, Festival- und ehemaliger Theaterleiter und Performer, bewegt sich bei „Der Soldat“ streng innerhalb der eroberten Gebiete der Postkolonialismusdebatte: Es ist eine Hommage an Frantz Fanon, einen Vordenker dessen, was jetzt in der Kunstszene gar so viele antreibt, nämlich das, was der Kolonialismus in den Menschen so angerichtet hat.

Warner ist gerührt, wenn er von diesem auf einer übergroßen Projektion angeschaut wird, und wird vom Künstler zum Soldaten im Kulturkampf. Dazu gibt es Schlagzeug von Notwist-Sänger Markus Archer und die Hoffnung, dass man ein paar Bedeutungsebenen versäumt hat; ansonsten wäre das ein übermäßig zielloser Angriff auf ein Publikum, das beim postkolonial Kritisiertwerden ohnehin nur brav nickt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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