Jonas Kaufmann sang Operette in Wien: Echte Emotionen statt Schmalz

Kultur

Operette müsse prickeln wie Champagner, fröhlich und zugleich melancholisch sein. Dass sie nichts davon sein muss und doch alles sein kann, führte Jonas Kaufmann mit seinem Programm „Magische Töne“ im Konzerthaus vor. 

Dass der Titel aus einer Oper, nämlich „Die Königin von Saba“ von Karl Goldmark stammt, mag wie eine Pointe anmuten oder in diesem Fall wie ein Plädoyer für Gleichstellung von Oper und Operette. Denn Kaufmann benennt danach auch sein jüngstes Album mit populären und heute weniger bekannten Operetten-Auszügen. 

Bei seinem Abend verblüfft er mit einem schwärmerischen Auftakt mit dem Lied des Tassilo aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“. Denn man versteht zunächst kein Wort. Kein Wunder, Kaufmann sang einen Teil auf Ungarisch. 

Wie es dazu kam, erklärt er dem Publikum auf seine einnehmende Art. Bereits vor Jahren habe er bei einem Rezital in Budapest, „Wenn es Abend wird“ als Zugabe singen wollen. Das aber wäre dort als Affront verstanden worden, denn das Lied gibt es auch auf Ungarisch. Das zu lernen sei ein „sinnloses Unterfangen“, meint er heute ironisch, doch das hält ihn nicht davon ab, auch selten Aufgeführtes von Ferenc Erkel im Original vorzutragen. 

Das ungarische Idiom ist auch dem Orchester fremd. Jochen Rieder setzt am Pult der Philharmonie Baden-Baden auf einen robusten Einheits-Vollklang. Aber wenn ein Meister der Gestaltung wie Kaufmann sein Charisma und seine Kunst ausspielt, wird ohnedies alles andere zur Nebensache, wie beim „Wolgalied“ des „Zarewitsch“. Das gestaltet Kaufmann innig wie ein Kunstlied.

Warum wird mit Mikrofon gesungen?

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„Immer nur lächeln“ (aus: Lehárs „Das Land des Lächelns“) und die titelgebende Arie zählen zu den besten Momenten dieses Abends, der eine Frage aufwirft: Warum wird mit Mikrofon gesungen? Also Nachfrage beim Tonmeister. Seine Antwort verknappt zusammengefasst: jeder gesungene Ton sei damit im ganzen Saal zu hören. Die Elektronik wird nur dezent eingesetzt und sie leistet vor allem eines. Die Stimme wirkt unangestrengt, entspannt. 

Der Vergleich zum Autofahren drängt sich auf. Warum schalten, wenn es Automatik gibt? Hier lassen sich das Sotto Voce, die unverkennbaren gehauchten Kaufmann-Töne wie unter der Lupe betrachten. Malin Byström tobt sich mit ihrem dramatischen Sopran aus, wie im Auftrittslied der Sylva Varescu („Csárdásfürstin)“. Gekünstelte Koketterie und Schmachten werden von beiden auch in den Duetten gegen Passion und Präzision ausgetauscht. Jubel nach fast einer halben Stunde Zugaben.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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